Der Freygeist.
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Adrast. Sie lieben Henncttcn? Himmel! so können wirja hier »och beide glücklich seyn. Warum haben wir uns nichteher erklären müssen? O Thcophan! Thcophan! ich würde Zhrcganze Aufführung mit einem andern Auge angesehen habe».Sie würden der Bitterkeit meines Verdachtes, meiner Vorwürfenicht ausgesetzt gewesen seyn.
Thcophan. Keine Entschuldigungen, Adrast! Vorurthcilcund eine unglückliche Liebe sind zwey Stücke, deren eines schonhinreichet, einen Mann zu etwas ganz andern: zu machen, alser ist. — ^- Aber was verweilen wir hier länger?
Adrast. Za, Thcophan, nun lassen Sie uns eilen.--
Aber wenn nns Lisidor zuwider wäre?--Wenn Juliane
einen andern liebte? — —
Thcophan. Fassen Sie Muth. Hier kömmt Lisidor.
Vierter Auftritt.Lisidor. Thcophan. Adrast.
lisidor. Ihr seyd mir feine Leute! Soll ich denn bestän-dig mit dem fremden Vetter allein seyn?
Thcophan. Wir waren gleich im Begriff zu Ihnen zukommen.
Kusidor. Was habt ihr nun wieder zusammen gemacht?gestritten? Glaubt mir doch nur, aus dem Streiten kömmtnichts heraus. Ihr habt alle beide, alle beide habt ihr Recht.
--Zum Exempel: (zum Thcophan) Der spricht, die Vernunft
ist schwach; und der (zum Adrast) spricht, die Vernunft ist stark.Jener beweiset mit starken Gründen, daß die Vernunft schwachist; und dieser mit schwachen Gründen, daß sie stark ist. Kommtdas nun nicht auf eins heraus? schwach nnd stark, oder, starkund schwach: was ist denn da für ein Unterscheid?
Thcophan. Erlauben Sie, wir haben jetzt weder von derStärke, noch von der Schwäche der Vernunft gesprochen--
Ausidor. Nun! so war es von etwas andcrm, das ebenso wenig zu bedeuten hat. — Von der Freyheit etwa: Ob einhungriger Esel, der zwischen zwey Bündeln Heu steht, die ein-ander vollkommen gleich sind, das Vermögen hat, von dem er-