Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
528
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Minna von Barnhelm,

so eigensinnig nicht seyn! Und wie lange haben wir schonFriede? Die Zeit wird einem gewaltig lang, wenn es so we-nig Neuigkeiten giebt. Umsonst gehen die Posten wieder rich-tig; niemand schreibt; denn niemand hat was zu schreiben.

Das Fräulein. Es ist Friede, schrieb er mir, und ich nä-here mich der Erfüllung meiner Wünsche. Aber, daß er mirdieses nur einmal, nur ein cinzigcsmal geschrieben

Franciska- Daß er uns zwingt, dieser Erfüllung derWünsche selbst entgegen zu eilen: finden wir ihn nur; das soller uns entgelten! Wenn indeß der Mann doch Wünscheerfüllt hätte, und wir erführen hier

Das Fräulein, (ängstlich und hitzig) Daß er todt wäre?

Franciska. Für Sie, gnädiges Fräulein; in den Armeneiner andern.

Das Fräulein. Du Quälgeist! Warte, Franciska, er solldir es gedenken! Doch schwatze nur; sonst schlafen wir wie-der ein. Sein Regiment ward nach dem Frieden zerrissen.Wer weiß, in welche Verwirrung von Rechnungen und Nach-wcisungcn er dadurch gerathen? Wer weiß, zu welchem andernRcgimcnte, in welche entlegne Provinz er versetzt worden? Werweiß, welche Umstände Es pocht jemand.

Franciska- Herein!

Zweyter Austritt.

Der Wirth. Die Vorigen.

Der N)irth, (den Kopf voranstcckcnd) Ist es erlaubt, meinegnädige Herrschaft?

Franciska. Unser Herr Wirth? Nur vollends herein.

Der IVirtH. (mit cincr Fedcr hinter dem Ohre, ein Blatt Papier undSchrcibczcug in der Hand) Ich komme, gnädiges Fräulein, Ihneneinen untcrthänigcn guten Morgen zu wünschen, (zur Franciska)und auch Zhr, mein schönes Kind,

Franciska- Ein höflicher Mann!

Das Fräulein- Wir bedanken uns.

Franciska- Und wünschen Ihm auch einen guten Morgen.

Der Wirth- Darf ick mich unterstehen zu fragen, wie