Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
547
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Minna von Barnhelm.

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mit seinem beste» Renner nicht cinhohlcn. Fritz hingegen kanndem Galgen tausend Schritte vorgeben, und ich wette mein Le-ben, er höhlt ihn ein. Es waren wohl alles Ihre gutenFreunde, Jungfer? Der Willhclm und der Philipp, der Martinund der Fritz? Nun, Zust empfiehlt sich! (geht ab)

Dritter Auftritt.

Francisra. und hernach der Wirth.

Franciska. (die ibm ernsthaft nachsteht) Ich verdiene den Biß!Ich bedanke mich, Zust. Ich setzte die Ehrlichkeit zu tief herab.Zch will die Lehre nicht vergessen. Ah! der unglückliche Mann!(kehrt sich um, und will nach dem Zimmer des Fräuleins gehen, indem derWirth kömmt)

Der Wirth. Warte Sie doch, mein schönes Kind.

Franciska- Zch habe ictzt nicht Zeit, Herr Wirth

Der Wirth. Nur ein kleines Angcnblickchc»! Nochkeine Nachricht weiter von dem Herrn Major? Das konntedoch unmöglich sein Abschied seyn!

Franciska. Was denn?

Der Wirth. Hat es Zhr das gnädige Fräulein nicht er-zählt? Als ich Sie, mein schönes Kind, unten in der Kücheverließ, so kam ich von ungefehr wieder hier in den Saal

Franciska. Von ungefehr, in der Absicht, ein wenig zuhorchen.

Der Wirth. Ey, mein Kind, wie kann Sie das von mirdenken? Einem Wirthe läßt nichts übler, als Ncugicrdc.Zch war nicht lange hier, so prellte auf einmal die Thüre beydem gnädigen Fräulein auf. Der Major stürzte heraus; dasFräulein ihm nach; beide in einer Bewegung, mit Blicken, ineiner Stellung so was läßt sich nur sehen. Sie ergriff ihn;er riß sich los; sie ergriff ihn wieder. Tcllhcim! Fräulein!lassen Sie mich! Wohin? So zog er sie bis an dieTreppe. Mir war schon bange, er würde sie mit hcrabrcißcn.Aber er wand sich noch los. Das Fräulein blieb an der oberstenSchwelle stehn; sah ihm nach; rief ihm nach; rang die Hände.Aus einmal wandte sie sich um, lief nach dem Fenster, von demFenster wieder zur Treppe, von der Treppe in dem Saale hin und