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Minna von Bamhclm.
wieder. Hier stand ich; hier ging sie dreymal bey mir vorbey,ohne mich zu sehen. Endlich war es, als ob sie mich sähe;aber, Gott sey bey uns! ich glaube, das Fräulein sahe michfür Sie an, mein Kind. „Franciska," rief sie, die Augenauf mich gerichtet, „bin ich nun glücklich?" Drauf sahe siesteif an die Decke, und wiederum: „bin ich nun glücklich?"Drauf wischte sie sich Thränen aus dem Auge, und lächelte,und fragte mich wiederum: „Franciska, bin ich nun glücklich?"— Wahrhaftig, ich wußte nicht, wie mir war. Bis sie nachihrer Thüre lief; da kehrte sie sich nochmals nach mir um:„So komm doch, Franciska; wer jammert dich mm?" — Unddamit hinein.
Franciska- O, Herr Wirth, das hat Ihnen geträumt.
Der U?irch. Geträumt? Nein, mein schönes Kind; so um-ständlich träumt man nicht. — Za, ich wollte wie viel drumgeben, — ich bin nicht neugierig, — aber ich wollte wie vieldrum geben, wenn ich den Schlüssel dazu hätte.
Franciska. Den Schlüssel? zu unsrer Thüre, Herr Wirth,der steckt innerhalb; wir haben ihn zur Stacht hereingezogen;wir sind furchtsam.
Der Wirth. Nicht so einen Schlüssel; ich will sagen, meinschönes Kind, den Schlüssel; die Auslegung gleichsam; so dmeigentlichen Zusammenhang von dem, was ich gesehen. —
Franciska. Za so! — Nun, Adieu, Herr Wirth. Wer-den wir bald essen, Herr Wirth?
Der Wirth. Mein schönes Kind, nicht zu vergessen, wasich eigentlich sagen wollte.
Franciska. Nun? aber nur kurz —
Der wirrh. Das gnädige Fräulein hat noch meinen Ring;ich nenne ihn meinen —
Franciska. Er soll Ihnen unvcrlorcn seyn.
Der wirch. Ich trage darum auch keine Sorge; ich willsnur erinnern. Sicht Sie; ich will ihn gar nicht einmal wiederhaben. Ich kann mir doch wohl an den Fingern abzählen,woher sie den Ring kannte, und woher er dem ihrigen so ähn-lich sah. Er ist in ihren Händen am besten aufgehoben. Ichmag ihn gar nicht mehr, und will indeß die hundert Pistolen,