Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
550
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Minna von Barnhelm.

es mit unsrer Gefährlichkeit aus. Es wird Zhm auch nichtbesser gehn, Herr Werner!

Werner. Potz Geck und kein Ende! Frauenzimmcrchen,so viel Verstand wird Sie mir wohl zutrauen, daß ich von derGefährlichkeit nicht rede. Der eine Teufel hat ihn verlassen,aber es sind dafür sieben andere in ihn gefahren

Der Wirth. O hör Sie doch, hör Sie doch! Wie er dasnun wieder so herum zu bringen weiß! Spaß über Spaß,und immer was Neues! O, es ist ein vortrefflicher Mann, derHerr Paul Werner! (zur Franciska, als ins Ohr) Ein wohlha-bender Mann, und noch lcdig. Er hat drey Meilen von hier einschönes Frcyschulzcngerichtc. Der hat Beute gemacht im Kriege! Und ist Wachtmeister bey unserm Herrn Major gewesen.O, das ist ein Freund von unserm Herrn Major! das ist einFreund! der sich für ihn tod schlagen ließe!

Werner. Ja! und das ist ein Freund von meinem Major!das ist ein Freund! den der Major sollte tod schlagen lasse«.

Der Wirth. Wie? was? Nein, Herr Werner, das istnicht guter Spaß. Ich kein Freund vom Herrn Major?Nein, den Spaß versteh ich nicht.

Werner. Zust hat mir schöne Dinge erzählt.

Der Wirth. Zust? Ich dachts wohl, daß Zust durch Siespräche. Zust ist ein böser, garstiger Mensch. Aber hier istein schönes Kind zur Stelle; das kann reden; das mag sagen,ob ich kein Freund von dem Herrn Major bin? ob ich ihmkeine Dienste erwiesen habe? Und warum sollte ich nicht seinFreund seyn? Zst er nicht ein verdienter Mann? Es ist wahr;er hat das Unglück gehabt, abgedankt zu werden: aber wasthut das? Der König kann nicht alle verdiente Männer ken-nen; und wenn er sie auch alle kennte, so kann er sie nichtalle belohnen.

Werner. Das heißt Zhn Gott sprechen! Aber Zustfreylich ist an Zusten auch nicht viel Besonders; doch ein Lüg-ner ist Zust nicht; und wenn das wahr wäre, was er mir ge-sagt hat

Der Wirth. Zch will von Zusten nichts hören! Wie ge-sagt: das schöne Kind hier mag sprechen! (zu ihr ins Ohr) Sie