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1 (1838)
Entstehung
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Minna von Barnhclm.

nicht crftmdm ist, die sich mündlich mit einander unterhaltenkönnen, sobald sie wollen.

v. Tellheim. Welcher Vorwand! Sie muß ihn lesen. Erenthält meine Rechtfertigung, alle die Gründe und Ursachen

Franciska. Die will das Fräulein von Ihnen selbst hören,nicht lesen.

v. Tellheim. Von mir selbst hören? Damit mich jedesWort, jede Miene von ihr verwirre; damit ich in jedem ihrerBlicke die ganze Größe meines Vcrlusts empfinde?.

Franciska. Ohne Barmherzigkeit! Nehmen Sie! (siegiebt ihm dc» Brief) Sie erwartet Sie um drey Uhr. Sie willausfahrcn, und die Stadt besehen. Sie sollen mit ihr fahren.

v. Tellheim. Mit ihr fahren?

Franciska. Und was geben Sie mir, so laß ich Sie beideganz allein fahren? Ich will zu Hause bleiben,v. Tellheim. Ganz allein?Franciska- In einem schönen verschloßnen Wagen,v. Tellheim. Unmöglich!

Franciska. Za, ja; im Wagen muß der Herr Major Katzaushalten! da kann er uns nicht entwischen. Darum geschiehtes eben. Kurz, Sie kommen, Herr Major; und Punktedrey. Nun? Sie wollten mich ja auch allein sprechen. Washaben Sie mir denn zu sagen? Za so, wir sind nicht al-lein, (indem sie Werner» anfleht)

v. Tellheim. Doch Franciska; wir wären allein. Aber dadas Fräulein den Brief nicht gelesen hat, so habe ich dir nochnichts zu sagen.

Franciska. So wären wir doch allein? Sie haben vordem Herrn Wachtmeister keine Geheimnisse?

v. Tellheim. Nein, keine.

Franciska. Gleichwohl, dünkt mich, sollten Sie welche vorihm haben.

v. Tellheim. Wie das?

lVerner. Warum das, Fraucnzimmcrchcn?

Franciska. Besonders Geheimnisse von einer gewissen Art Alle zwanzig, Herr Wachtmeister? (indem sie beide Hände mitgespreitzten Finger» in die Hohe hält)