Minna von Barnhelm.
571
bringe» ? Ich mag nicht trinken, (das Fräulein setzt sie wieder weg)
— „parbleu, Ihr» Gnad, man kenn sik hier nit ans denVerdienst" (In dem Tone des Franzosen ) Freylich nicht, wenn mandie Spitzbuben so ungchangcn hcrumlaiiffcn läßt.
Das Fräulein, (kalt und nachdenkend, indem sie trinkt) Mädchen,du verstehst dich so trefflich auf die guten Menschen: aber, wennwillst du die schlechten ertragen lernen? — Und sie sind dochauch Menschen. — Und öfters bey weitem so schlechte Men-schen nicht, als sie scheinen. — Man muß ihre gute Seite nuraufsuchen. — Ich bilde mir ein, dieser Franzose ist nichts, alseitel. Aus bloßer Eitelkeit macht er sich zum falschen Spieler;er will mir nicht verbunden scheinen; er will sich den Dank er-sparen. Vielleicht, daß er nun hingeht, seine kleine Schuldenbezahlt, von dem Reste, so weit cr reicht, still und sparsamlebt, und an das Spiel nicht denkt. Wenn das ist, liebe Fran-ciska, so laß ihn Rekruten hohlen, wenn cr will. — (giebt ihr dieTasse) Da, setz weg! — Aber, sage mir, sollte Tcllhcim nichtschon da seyn?
Franciska. Nein, gnädiges Fräulein; ich kann beides nicht;weder an einem schlechten Menschen die gute, noch an einemguten Menschen die böse Seite aufsuchen.
Das Fräulein- Er kömmt doch ganz gewiß? —
Franciska. Er sollte wegbleiben! — Sie bemerken an ihm,an ihm, dem besten Manne, ein wenig Stolz, und darum wol-len Sie ihn so grausam necken?
Das Fraulein. Kömmst du da wieder hin? — Schweig,das will ich nun einmal so. Wo du mir diese Lust verdirbst;wo du nicht alles sagst und thust, wie wir es abgeredet haben!
— Zch will dich schon allein mit ihm lassen; und dann--
Jetzt kömmt cr wohl.
Vierter Auftritt.
Paul Werner, (der in einer steifen Stellung, gleichsam im Dienste, her-eintritt) Das Fräulein. Francioka.
Franciska- Nein, cs ist nur sein lieber Wachtmeister.
Das Fraulein. Lieber Wachtmeister? Auf wen bezieht sichdicscs Lieber?