Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
571
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Minna von Barnhelm.

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bringe» ? Ich mag nicht trinken, (das Fräulein setzt sie wieder weg)

parbleu, Ihr» Gnad, man kenn sik hier nit ans denVerdienst" (In dem Tone des Franzosen ) Freylich nicht, wenn mandie Spitzbuben so ungchangcn hcrumlaiiffcn läßt.

Das Fräulein, (kalt und nachdenkend, indem sie trinkt) Mädchen,du verstehst dich so trefflich auf die guten Menschen: aber, wennwillst du die schlechten ertragen lernen? Und sie sind dochauch Menschen. Und öfters bey weitem so schlechte Men-schen nicht, als sie scheinen. Man muß ihre gute Seite nuraufsuchen. Ich bilde mir ein, dieser Franzose ist nichts, alseitel. Aus bloßer Eitelkeit macht er sich zum falschen Spieler;er will mir nicht verbunden scheinen; er will sich den Dank er-sparen. Vielleicht, daß er nun hingeht, seine kleine Schuldenbezahlt, von dem Reste, so weit cr reicht, still und sparsamlebt, und an das Spiel nicht denkt. Wenn das ist, liebe Fran-ciska, so laß ihn Rekruten hohlen, wenn cr will. (giebt ihr dieTasse) Da, setz weg! Aber, sage mir, sollte Tcllhcim nichtschon da seyn?

Franciska. Nein, gnädiges Fräulein; ich kann beides nicht;weder an einem schlechten Menschen die gute, noch an einemguten Menschen die böse Seite aufsuchen.

Das Fräulein- Er kömmt doch ganz gewiß?

Franciska. Er sollte wegbleiben! Sie bemerken an ihm,an ihm, dem besten Manne, ein wenig Stolz, und darum wol-len Sie ihn so grausam necken?

Das Fraulein. Kömmst du da wieder hin? Schweig,das will ich nun einmal so. Wo du mir diese Lust verdirbst;wo du nicht alles sagst und thust, wie wir es abgeredet haben!

Zch will dich schon allein mit ihm lassen; und dann--

Jetzt kömmt cr wohl.

Vierter Auftritt.

Paul Werner, (der in einer steifen Stellung, gleichsam im Dienste, her-eintritt) Das Fräulein. Francioka.

Franciska- Nein, cs ist nur sein lieber Wachtmeister.

Das Fraulein. Lieber Wachtmeister? Auf wen bezieht sichdicscs Lieber?