Miß Sara Sampson.
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möchte ich vielleicht alles anwenden, in meiner wahren Gestaltvor ihr zu erscheinen.
Mellcfont. Diese Bitte, Marwood, (nachdem cr einen Au-genblick nachgedacht) — — könnte ich Zhncn gewähren. WollenSie aber auch alsdann gewiß diesen Ort verlassen?
Marwood. Gewiß; ja, ich verspreche Zhncn noch mehr;ich will Sie, wo nur noch einige Möglichkeit ist, von dem Ucbcr-sallc ihres Vaters bcfrcyen.
XNellefone. Dieses haben Sie nicht nöthig. Ich hoffe,daß cr auch mich in die Verzeihung mit einschließen wird, dieer seiner Tochter wicdcrfahrcn läßt. Will cr aber dieser nichtverzeihen, so werde ich auch wissen, wie ich ihm begegnen soll.— Ich gehe, Sie bey meiner Miß zu melden. Nur haltenSie Wort, Marwood! (geht ab.)
Marwood. Ach Hannah! daß unsere Kräfte nicht so großsind, als unsere Wut! Komm, hilf mich ankleiden. Ich gebemein Vorhaben nicht auf. Wenn ich ihn nur erst sicher ge-macht habe. Komm!
Dritter Aufzug.
Erster Auftritt.Ein Saal im erster» Eastbofc,Sir William Sampson. Waitwell.Sir William. Hier, Waitwcll, bring' ihr diesen Brief.Es ist der Brief eines zärtlichen Vaters, der sich über nichts,als über ihre Abwesenheit beklaget. Sag' ihr, daß ich dich da-mit vorweg geschickt, und daß ich nur noch ihre Antwort er-warten wolle, ehe ich selbst käme, sie wieder in meine Armezu schließen.
waitwell. Ich glaube, Sie thun recht wohl, daß SieIhre Zusammenkunft auf diese Art vorbereiten.
Sir William. Ich werde ihrer Gesinnungen dadurch ge-wiß, und mache ihr Gelegenheit, alles, was ihr die Reue kläg-liches und erröthendes eingeben könnte, schon ausgeschüttet zu
Lessings Werke II. z