Miß Sara Sampson.
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sich die Gränzen dcr »ncnschlichcn Bosheit noch viel weiter er-strecken? — Geh nur jetzt nnd thue was ich dir gesagt habe.Gieb auf alle ihre Mienen Acht, wenn sie meinen Brief lesenwird. In dcr kurzen Entfernung von dcr Tugend, kann siedie Anstellung noch nicht gclcrnt haben, zu deren Larven nurdas eingewurzelte Laster seine Zuflucht nimmt. Du wirst ihreganze Seele in ihrem Gesichte lesen. Laß dir ja keinen Zugentgehen, dcr etwa eine Gleichgültigkeit gcgcn mich, cine Ncr--schmähung ihres Vaters, anzeigen könnte. Denn wenn du dieseunglückliche Entdeckung machen solltest, und wenn sie mich nichtmehr liebt: so hoffe ich, daß ich mich endlich werde überwin-den können, sie ihrem Schicksale zu überlassen. Ich hoffe es,Waitwcll — Ach! wenn nur hier kcin Herz schlüge, das die-ser Hoffnung widerspricht.
(Sie gehen beide auf verschiedenen Seiten ab.)
Zweyter Auftritt.Das Zimmer dcr Sara.
Miß Sara. Mellcfoiit,
Mcllefont, Ich habe Unrecht gethan, liebste Miß, daßich Sie wegen des vorigen Briefes in einer kleinen Unruhe ließ.
Sar». Nein doch, Mcllcfont; ich bin deswegen ganz undgar nicht unruhig gewesen. Könnten Sie mich denn nicht lie-ben, wenn Sie gleich noch Geheimnisse vor mir hätten?
Mellefont. Sie glauben also doch, daß es ein Geheim-niß gewesen sey?
Sara. Aber keines, das mich angeht. Und das muß mirgenug seyn.
Mellefonr. Sie sind allzu gefällig. Doch erlauben Siemir, daß ich Ihnen dieses Geheimniß gleichwohl entdecke. Eswaren einige Zeilen von einer Anverwandten, die meinen hie-sigen Aufenthalt erfahren hat. Sie geht auf ihrer Reise nachLondon hier durch, und will mich sprechen. Sie hat zugleichum die Ehre ersucht, Ihnen ihre Aufwartung machen zu dürfen.
Sara. Es wird mir allezeit angenehm seyn, Mcllcfont,dic würdigen Personen Ihrer Familie kennen zu lernen. Aber,
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