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Miß Sara Sampson.
überlegen Sie es selbst, ob ich schon, ohne zu crröthen, einerderselben nntcr die Augen sehen darf.
Mellefont. Ohne zu crröthen? Und worüber? Darüber,daß Sie mich lieben? Es ist wahr, Miß, Sie hätten Ihre Liebeeinem Edlem, einem Reichern schenken können. Sie müssen sichschämen, daß Sie Zhr Herz nur um ein Herz haben geben wol-len, und daß Sie bey diesem Tausche Zhr Glück so weit ausden Augen gesetzt.
Sara. Sie werden es selbst wissen, wie falsch Sie meineWorte erklären.
Mcllefont. Erlauben Sie, Miß; wenn ich sie falsch er-kläre, so können sie gar keine Bedeutung haben.
Sara. Wie heißt Ihre Anverwandte?
XNellefont. Es ist — Lady Solmcs. Sie werden denNamen von mir schon gehört haben.
Sara. Ich kann mich nicht erinnern.
Mellcfonr. Darf ich bitten,' daß Sie ihren Besuch anneh-men wollen?
Sara. Bitten, Mcllcsont? Sie können mir es ja befehlen.
Mellcfonc. Was für ein Wort! — Nein, Miß, sie solldas Glück nicht haben, Sie zu sehen. Sie wird es bctaucrn;aber sie muß es sich gefallen lassen. Miß Sara hat ihre Ur-sachen, die ich auch, ohne sie zu wissen, verehre.
Sara- Mein Gott! wie schnell sind Sie, Mcllcfont! Zchwerde die Lady erwarten; und mich der Ehre ihres Besuchs, soviel möglich, würdig zu erzeigen suchen. Sind Sie zufrieden?
XNellcfonr. Ach, Miß, lassen Sie mich meinen Ehrgeizgestehen. Zch möchte gern gegen die ganze Welt mit Zhncnprahlen. Und wenn ich auf den Besitz einer solchen Personnicht eitel wäre, so würde ich mir selbst vorwerfen, daß ichden Werth derselben nicht zu schätzen wüßte. Zch gehe, undbringe die Lady sogleich zu Zhncn. (gehet ab.)
Sara, (allein) Wenn es nur keine von den stolzen Wei-bern ist, die voll von ihrer Tugend, über alle Schwachheitenerhaben zu seyn glauben. Sie machen uns mit einem einzigenverächtlichen Blicke den Proceß, und ein zwcydeutigcs Achselzuckenist das ganze Mitleiden, das wir ihnen zu verdienen scheinen.