Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
52
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Miß Sara Sampson.

näher zu komme», damit er auf einmal wieder in die dicksteFinsterniß zerfließe, und mich auf einmal in einer Nacht lasse,deren Schrccklichkcit mir durch diese kurze Erleuchtung erst rechtfühlbar geworden. Was für Ahnungen quälen mich!Sind es wirklich Ahnungen, Mcllcfont, oder sind es gewöhn-liche Empfindungen, die von der Erwartung eines unverdientenGlucks, und von der Furcht, es zu verlieren, unzertrennlich sind? Wie schlägt mir das Herz, und wie unordentlich schlägt es?Wie stark itzt, wie geschwind! Und nun, wie matt, wiebange, wie zitternd! Itzt eilt es wieder, als ob es die letz-ten Schläge wären, die es gern recht schnell hinter einanderthun wollte. Armes Herz!

Mellefont. Die Wallungen des Geblüts, welche plötzlicheÜberraschungen nicht anders als verursachen können, werdensich legen, Miß, und das Herz wird seine Verrichtungen ruhigerfortsetzen. Keiner seiner Schlage zielet auf das Zukünftige; undwir sind zu tadeln, verzeihen Sie, liebste Sara, wennwir des Bluts mechanische Drückungen zu fürchterlichen Prophe-ten machen. Deswegen aber will ich nichts untcrlasscn, wasSie selbst zur Besänftigung dieses kleinen innerlichen Sturmsfür dienlich halten. Ich will so gleich schreiben, und Sir Wil-liam, hoffe ich, soll mit den Bcthcurungcn meiner Reue, mitden Ausdrückungen meines gerührten Herzens, und mit denAngclobungcn des zärtlichsten Gehorsams zufrieden seyn.

Sara. Sir William? Ach Mcllcfont, fangen Sie dochnun an, sich an einen weit zärtlichern Namen zu gewöhnen.Mein Vater, Ihr Vater, Mcllcfont--

Mellefonc. Nun ja, Miß, unser gütiger, unser besterVater! Ich mußte sehr jung aufhören, diesen süßen Namenzu nennen, sehr jung mußte ich den eben so süßen Namen,Mutter, verlernen

Sara, Sie haben ihn verlernt, und mir mir ward esso gut nicht, ihn nur einmal sprechen zu können. Mein Lebenwar ihr Tod. Gott ! ich ward eine Muttermördcrinn widermein Verschulden. Und wie viel fehlte wie wenig, wienichts fehlte so wäre ich auch eine Natermördcrinn gewor-den! Aber nicht ohne mein Verschulden; eine vorsctzliche Vater-