Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
54
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64 Miß Sara Sampson.

ncn Brief vollenden. Ich darf doch auch den Ihrigen lesen,wenn ich Ihnen den mcinigcn werde gezeigt haben?

XNellefonr. Jedes Wort soll Ihrer Beurtheilung unterwor-fen seyn; nur das nicht, was ich zu Ihrer Rettung sagen muß:denn ich weiß es, Sie halten sich nicht für so unschuldig, alsSie sind, (indem er die Sara bis an die Scene begleitet.)

Zweyter Austritt.Mellefonr.

(Nachdem er einigemal tiefsinnig ans und niedergegangen) Was fürein Räthsel bin ich mir selbst! Wofür soll ich mich halten?Für einen Thoren? oder für einen Böscwicht? oder für bei-des? Herz, was für ein Schalk bist du! Ich liebe denEngel, so ein Teufel ich auch seyn mag. Ich lieb' ihn?Ja, gewiß, gewiß ich lieb' ihn. Ich weiß, ich wollte tau-send Leben für sie aufopfern, für sie, die mir ihre Tugendaufgeopfert hat! Ich wollt' es; jetzt gleich ohne Anstand wollt'ich es Und doch, doch Ich erschrecke, mir es selbst zusagen Und doch Wie soll ich es begreifen? Und dochfürchte ich mich vor dem Augenblicke, der sie aus ewig, vordemAngcsichte der Welt, zu der mcinigcn machen wird. Er istnun nicht zu vermeiden; denn der Vater ist versöhnt. Auchweit hinaus werde ich ihn nicht schieben können. Die Verzö-gerung desselben hat mir schon schmerzhafte Vorwürfe genug zu-gezogen. So schmerzhaft sie aber waren, so waren sie mir docherträglicher, als der melancholische Gedanke, auf Zeit Lebensgefesselt zu seyn. Aber bin ich es denn nicht schon? Ichbin es freylich, und bin es mit Vergnügen. Freylich bin ichschon ihr Gefangener. Was will ich also? Das!Ztzt bin ich ein Gefangener, den man auf sein Wort frey herumgehen läßt: das schmeichelt! Warum kann es dabey nicht seinBewenden haben? Warum muß ich cingcschmiedct werden, undauch so gar dcn elenden Schatten der Freyheit cntbchrcn?Eingcschmicdct? Nichts anders! Sara Sampson, meine Ge-liebte! Wie viel Seligkeiten liegen in diesen Worten! SaraSampson, meine Ehegattinn! Die Hälfte dieser Seligkeitenist verschwunden! und die andre Hälfte wird verschwinden.