Miß Sara Sampson.
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ansehen? Zch wünsche es mir ja nicht, freyer zu seyn, als siemich lassen wird.
Norton. Diese Betrachtungen sind sehr gut. Aber Mar-wood, Marwood wird Ihren alten Vorurthcilen zu Hülfe kom-men, und ich fürchte, ich fürchte--
Mellefonr. WaS nie geschehen wird. Du sollst sie nochheute nach London zurückreisen sehen. Da ich dir meine ge-heimste — Narrhcit will ich cS nur unterdessen nennen — ge-standen habe, so darf ich dir auch nicht verbergen, daß ich dieMarwood in solche Furcht gejagt habe, daß sie sich durchausnach meinem geringsten Winke bequemen muß.
Norton. Sie sagen mir etwas unglaubliches.
Mellcfont. Sieh, dieses Mördcrciscn riß ich ihr aus derHand, (er zeigt ihm den Dolch, den er der Marwood genommen) alssie mir in der schrecklichsten Wut das Herz damit durchstoßenwollte. Glaubst du es nun bald, daß ich ihr festen Obstandgehalten habe? Anfangs zwar fehlte es nicht viel, sie hättemir ihre Schlinge wieder um den Hals geworfen. Die Vcr-räthcrinn hat Arabcllcn bey sich.
Norton. Arabellcn?
Mellefont. Zch habe es noch nicht untersuchen können,durch welche List sie das Kind wieder in ihre Hände bekommen.Genug, der Erfolg fiel für sie nicht so aus, als sie es ohneZweifel gehofft hatte.
Norron. Erlauben Sie, daß ich mich über Ihre Sünd-haftigkeit freuen, und Zhre Besserung schon für halb geborgenhalten darf. Allein — da Sie mich doch alles wollen wissenlassen — was hat sie unter dem Namen der Lady Solmcshier gesollt?
Mellcfont. Sie wollte ihre Nebenbuhlerinn mit aller Ge-walt sehen. Zch willigte in ihr Verlangen, theils aus Nachsicht,theils aus Ucbereilung, theils aus Begierde, sie durch den An-blick der besten ihres Geschlechts zu demüthigen. — Du schüt-telst den Kopf, Norton?--
Norton. Das hätte ich nicht gewagt.
Mellefont. Gewagt? Eigentlich wagte ich nichts mehrdabey; als ich im Falle der Weigerung gewagt hätte. Sie würde