Miß Sara Sampson.
85
chen, die er in diesem armseligen Flecken vielleicht nicht findenwird. Ich sahe seine stürmische Angst, seine hoffnungslose Be-trübniß, ohne von ihm gesehen zu werden. Nun weiß ich es,daß er dich aufrichtig liebet; nun gönne ich dich ihm. Hierwill ich ihn erwarten, und deine Hand in seine Hand legen.Was ich sonst nur gedrungen gethan hätte, thue ich nun gern,da ich sehe, wie theuer du ihm bist. — Ist es wahr, daß esMarwood selbst gewesen ist, die dir dieses Schrecken verursachthat? So viel habe ich aus den Klagen deiner Bctty verstehenkönnen, und mehr nicht. — Doch was forsche ich nach den Ur-sachen deiner Unbäßlichkcit, da ich nur auf die Mittel, ihr ab-zuhelfen, bedacht seyn sollte. Ich sehe, du wirst von Augen-blick zu Augenblick schwächer, ich seh es, und bleibe Hülflos ste-hen. Was soll ich thun, Waitwcll? Wohin soll ich laufen?Was soll ich daran wenden? mein Vermögen? mein Leben?Sage doch!
Sara. Bester Vater, alle Hülfe würde vergebens seyn. Auchdie unschätzbarste würde vergebens seyn, die Sie mit IhremLeben für mich erkaufen wollten.
Zehnter Auftritt.Meilefont. Sara. Sir William, Waitwcll.
XNellcfom. Ich wag' es, den Fuß wieder in dieses Zim-mer zu setzen? Lebt sie noch?
Sara. Treten Sie näher, Mcllcfont.
Mellefonr, Ich sollt' Ihr Angesicht wieder sehen? Nein,Miß; ich komme ohne Trost, ohne Hülfe zurück. Die Ver-zweiflung allein bringt mich zurück — Aber wen seh ich? Sie,Sir? Unglücklicher Vater! Sie sind zu einer schrecklichen Scenegekommen. Warum kamen Sie nicht eher? Sie kommen zuspät, Zbre Tochter zu rettenI Aber — nur getrost! — sich gc-rächct zu sehen, dazu sollen Sie nicht zu spät gekommen seyn.'
Sir William. Erinnern Sie sich, Mcllcfont, in dicscmAugenblicke nicht, daß wir Fcindc gcwcscn sind! Wir sind cSnicht mehr, lind wollen es nie wieder wcrdcn. Erhalten Siemir nur eine Tochter, und Slc sollen sich selbst eine Gattinnerhalten haben.