Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
87
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Miß Sara Sttinpsoii.

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heimsucht. Ach mein Vater, welcher finstere Schmerz hatsich Ihrer bemächtiget? Noch liebe ich Sie, Mcllefont, undwenn Sie lieben ein Verbrechen ist, wie schuldig werde ich in je-ner Welt erscheinen! Wenn ich hoffen dürste, liebster Natcr,daß Sie einen Sohn, anstatt einer Tochter, annehmen wollten!Und auch eine Tochter wird Ihnen mit ihm nicht fehlen, wennSie Arabcllcn dafür erkennen wollen. Sie müssen sie zurück-holen, Mcllefont; und die Mutter mag entfliehen. Da michmein Natcr liebt, warum soll es mir nicht erlaubt seyn, mitseiner Liebe, als mit einem Erbthcile umzugehen? Ich vermachediese väterliche Liebe Ihnen, und Arabcllcn. Rcdcn Sie dannund wann mit ihr von cincr Freundinn, aus deren Beyspielesie gegen alle Liebe auf ihrer Hut zu seyn lerne. Den letz-ten Segen, mein Natcr! Wcr wollte die Fügungen desHöchsten zu richten wagen? Tröste deinen Herrn, Waitwcll.Doch auch du stehst in einem trostlosen Kummer vcrgrabcn, derdu in mir weder Geliebte noch Tochter verlierest?

Sir IvilliKM. Wir sollten dir Muth einsprechen, und deinsterbendes Auge spricht ihn uns ein. Nicht mehr meine irdi-sche Tochter, schon halb ein Engel, was vermag der Segen ei-nes wimmernden Vaters auf einen Geist, auf welchen alle Se-gen des Himmels hcrabströmcn? Laß mir einen Strahl desLichtes, welches dich über alles Menschliche so weit erhebt.Oder bitte Gott , den Gott, der nichts so gewiß als die Bitteneines frommen Stcrbcndcn crhört, bitte ihn, daß dieser Tagauch der letzte meines Lebens sey.

Sara. Die bewahrte Tugend muß Gott der Welt langezum Beyspiele lassen, und nur die schwache Tugend, die allzuvielen Prüfungen vielleicht unterliegen würde, hebt er plötzlichaus den gefährlichen Schranken. Wem fließen diese Thrä-nen, mein Vater? Sie fallen als feurige Tropfen auf meinHerz; und doch doch sind sie mir minder schrecklich, als diestumme Verzweiflung. Entreißen Sie sich ihr, Mcllefont!Mein Auge bricht. Dicß war der letzte Seufzer! Nochdcnkc ich an Bctly, und verstehe nun ihr ängstliches Händcrin-gcn. Das arme Mädchen! Daß ihr ja niemand eine Unvor-sichtigkeit vorwerfe, die durch ihr Herz ohne Falsch, und also