88
Miß Sara Sampson.
auch ohne Argwohn der Falschheit, entschuldiget wird. — DerAugenblick ist da! Mellcfont — mein Vater —
Mellcfont. Sie stirbt'. — Ach! diese kalte Hand noch ein-mal zu küssen, (indcin er zu ihren Füße» fcilll) — Nein, ich willes nicht wagen, sie zu berühren. Die gemeine Sage schrecktmich, daß der Körper eines Erschlagenen durch die Berührungseines Mörders zu bluten anfange. Und wer ist ihr Mörder?Bin ich es nicht mehr, als Marwood? (steht auf) — Nun istsie todt, Sir; nun hört sie uns nicht mehr: min verfluchenSie mich! Lassen Sie Ihren Schmerz in verdiente Verwün-schungen aus! Es müsse keine mein Haupt verfehlen, nnd diegräßlichste derselben müsse gedoppelt erfüllt werden! — Wasschweigen Sie noch? Sie ist todt; sie ist gewiß todt! Nunbin ich wieder nichts, als Mellcfont. Ich bin nicht mehr derGeliebte einer zärtlichen Tochter, die Sie in ihm zu schonenUrsach hätten. — Was ist das? Ich will nicht, daß Sie ei-nen barmherzigen Blick auf mich werfen sollen! Das ist IhreTochter! Ich bin ihr Verführer! Denken Sie nach, Sir! —Wie soll ich Ihre Wut besser reizen? — Diese blühende Schön-heit, über die Sie allein ein Recht hatten, ward wider IhrenWillen mein Raub! Meinetwegen vergaß sich diese uncrfahrncTugend! Meinetwegen riß sie sich aus den Armen eines gelieb-ten Vaters! Meinetwegen mußte sie sterben! — Sie machenmich mit Ihrer Langmuth ungeduldig, Sir! Lassen Sie miches hören, daß Sie Vater sind.
Sir William, Ich bm Vater, Mellcfont, und bin es zusehr, als daß ich den letzten Willen meiner Tochter nicht ver-ehren sollte. — Laß dich umarmen, mein Sohn, den ich theurernicht erkaufen konnte!
Mellcfont. Nicht so, Sir! Diese Heilige befahl mehr,als die menschliche Natur vermag! Sie können mein Vaternicht seyn. — Sehen Sie, Sir, (indem er den Dolch aus dem Bu-sen zieht) dieses ist der Dolch, den Marwood heute auf michzuckte. Zu meinem Unglücke mußte ich sie entwaffnen. Wennich als das schuldige Opfer ihrer Eifersucht gefallen wäre, solebte Sara noch. Sie hätten ihre Tochter noch, und hättensie ohne Mellcfont. Es stehet bey mir nicht, das Geschehene