Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
97
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PhilotaS.

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Aridmis. Wohl; auch so! Komm Strato! Prinz, wirschcn uns bald wieder.

Vierter Auftritt,philotas.

Götter! Näher konnte der Blitz, ohne mich ganz zuzerschmettern, nicht vor mir niederschlagen. Wunderbare Götter!Die Flamme kehrt zurück; der Dampf verfliegt, und ich war nurbetäubt. So war das mein ganzes Elend, zu schcn, wieelend ich hätte werden können? wie elend mein Vater durchmich? Nun darf ich wieder vor dir erscheinen, mein Vater!Zwar noch mit niedergeschlagenen Augen; doch nur die Schamwird sie niederschlagen, nicht das brennende Vcwusiseyn, dichmit mir ins Verderben gerissen zu haben. Nun darf ich nichtsvon dir fürchten, als einen Verweis mit Lächeln; kein stummesTraurcn; keine, durch die stärkere Gewalt der väterlichen Liebeerstickte Verwünschungen.

Aber ja, bey dem Himmel! ich bin zu gütig gegen mich.Darf ich mir alle Fehler vergeben, die mir die Vorsicht zu ver-geben scheinet? Soll ich mich nicht strenger richten, als sie undmein Vater mich richten? Die allzugütigcn! Sonst jede dertraurigen Folgen meiner Gefangenschaft konnten die Götter ver-nichten; nur eine konnten sie nicht: die Schande! Zwar jeneleicht verfliegende wohl, die von der Zunge des Pöbels strömt;aber nicht die wahre daurcndc Schande, die hier der innereRichter, mein unpartcyischcs Selbst, über mich ausspricht!

Und wie leicht ich mich verblende! Verlieret mein Vaterdurch mich nichts? Der Ausschlag, den der gefangene Polyti-mct, wenn ich nicht gefangen wäre, auf seine Seitebrächte, der ist nichts? Nur durch mich wird er nichts!Das Glück hätte sich erkläret, für wen es sich erklären sollte;das Recht meines Vaters triumphirtc, wäre Polytimct, nichtPhilotas und Polytimct gefangen!

lind nun welcher Gedanke war es, den ich itzt dachte?Nein; den ein Gott in mir dachte Ich muß ihm nachhän-gen! Laß dich fesseln, flüchtiger Gedanke! Ztzt denke ich

Lessings Wirke II, - 7