Druckschrift 
2 (1838)
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

Emilia Galotti.

131

Angelo. Hast dn vergessen? Der Deutsche , dein voriger

Herr,--

Pirro. Schweig davon!

Angelo. Den du uns, auf dem Wege nach Pisa , in dieFalle führtest

Pirro. Wenn uns jemand hörte!

Angelo. Hatte ja die Güte, uns auch einen kostbarenRing zu hinterlassen. Weißt du nicht? Er war zu kost-bar, der Ring, als daß wir ihn sogleich ohne Verdacht hättenzu Gelde machen können. Endlich ist mir es damit gelungen.Ich habe hundert Pistolen dafür erhalten: und das ist dein An-theil. Nimm!

Pirro. Ich mag nichts, behalt' alles.

Angelo. Mcintwegcn! wenn es dir gleich viel ist,wie hoch du deinen Kopf feil trägst (als ob er den Beutel wie-der cmstcckcn wollte.)

Pirro. So gieb nur! (nimmt ihn)Und was nun? Denndaß du blos deswegen mich aufgesucht haben solltest--

Angelo. Das kömmt dir nicht so recht glaublich vor?Halunke! Was denkst du von uns? Daß wir fähig sind,jemanden seinen Verdienst vorzuenthalten? Das mag unter denso genannten ehrlichen Leuten Mode seyn: unter uns nicht.Leb wohl! (thut als ob er gehen wollte, nnd kehrt wieder um.) Einsmuß ich doch fragen. Da kam ja der alte Galotti so ganzallein in die Stadt gesprengt. Was will der?

Pirro. Nichts will er: ein bloßer Spatzicrritt. SeineTochter wird heut' Abend, auf dem Gute, von dem er her-kömmt, dem Grafen Appiani angetrauet. Er kann die Zeitnicht erwarten

Angelo. Und reitet bald wieder hinaus?

Pirro. So bald, daß er dich hier trift, wo du noch langeverziehest. Aber du hast doch keinen Anschlag auf ihn?Nimm dich in Acht. Er ist ein Mann--

Angelo. Kenn' ich ihn nicht? Hab' ich nicht unter ihmgedient? Wenn darum bey ihm nur viel zu hohlen wäre!Wenn fahren die jungen Leute nach?

Pirro. Gegen Mittag.

9°