Emilia Galotti.
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Angelo. Hast dn vergessen? Der Deutsche , dein voriger
Herr,--
Pirro. Schweig davon!
Angelo. Den du uns, auf dem Wege nach Pisa , in dieFalle führtest —
Pirro. Wenn uns jemand hörte!
Angelo. Hatte ja die Güte, uns auch einen kostbarenRing zu hinterlassen. — Weißt du nicht? — Er war zu kost-bar, der Ring, als daß wir ihn sogleich ohne Verdacht hättenzu Gelde machen können. Endlich ist mir es damit gelungen.Ich habe hundert Pistolen dafür erhalten: und das ist dein An-theil. Nimm!
Pirro. Ich mag nichts, — behalt' alles.
Angelo. Mcintwegcn! — wenn es dir gleich viel ist,wie hoch du deinen Kopf feil trägst — (als ob er den Beutel wie-der cmstcckcn wollte.)
Pirro. So gieb nur! (nimmt ihn)—Und was nun? Denndaß du blos deswegen mich aufgesucht haben solltest--
Angelo. Das kömmt dir nicht so recht glaublich vor? —Halunke! Was denkst du von uns? — Daß wir fähig sind,jemanden seinen Verdienst vorzuenthalten? Das mag unter denso genannten ehrlichen Leuten Mode seyn: unter uns nicht. —Leb wohl! — (thut als ob er gehen wollte, nnd kehrt wieder um.) Einsmuß ich doch fragen. — Da kam ja der alte Galotti so ganzallein in die Stadt gesprengt. Was will der?
Pirro. Nichts will er: ein bloßer Spatzicrritt. SeineTochter wird heut' Abend, auf dem Gute, von dem er her-kömmt, dem Grafen Appiani angetrauet. Er kann die Zeitnicht erwarten —
Angelo. Und reitet bald wieder hinaus?
Pirro. So bald, daß er dich hier trift, wo du noch langeverziehest. — Aber du hast doch keinen Anschlag auf ihn?Nimm dich in Acht. Er ist ein Mann--
Angelo. Kenn' ich ihn nicht? Hab' ich nicht unter ihmgedient? — Wenn darum bey ihm nur viel zu hohlen wäre! —Wenn fahren die jungen Leute nach?
Pirro. Gegen Mittag.
9°