Dämon, oder die wahre Freundschaft. 385
ßen sie ihrer Reichthümer, die just an keinen unwürdiger,! hättenkommen können.
Dämon, Leander, soll ich es glauben? Sie haben mich hinter-gehen wollen!
Leander. Danion - - Ich habe sie beleidigt. Leben sie wohl!
Dämon. Leander, liebster Leander! wohin? Lerziehn sie.
K.eanSer. Lassen sie mich, ich bitte sie. Ich muß ihr Angesichtfliehen, ich sterbe vor Scham. Es ist unmöglich, sie können mirnicht verzeihen.
Dämon. Ich ihnen nicht verzeihen? O Leander, wäre ihnen mitmeinen Verzeihungen was gedient! Ja ja. Es ist ihnen schon allesverziehen. Bleiben sie da, mein Freund. Sie haben sich übereilet.Und diese Ucbercilung hat der Mensch, und nicht der Freuud, began-gen. Madam, sie sind erzürnet auf Leandern? Ich schlage alles aus,wo sie nicht mit mir alles wider ihn vergessen. Wenn sie uns trcn-neu, so werde ich nothwendig der unglücklichste seyn. Ich weis, wieschwer es ist, eine» Freund zu finden. Und will man ihn schon desersten Fehlers wegen verlassen, so wird man Zeit Lebens suchen, uudkeinen erhalten.
Aeander. Dämon - - Urtheilen sie aus diesen Thränen, ob ichgcrühret bin?
Die U)ittrr>e. Wohl! Leander, Dämon verzeiht ihnen. Und ichweis selbst nicht, ob ich über seine Großmuth, oder über ihre Reuemehr gerühret bin. Lassen sie auch uns unsre Freundschaft wieder vonneuem anfangen. O Dämon, wie zärtlich wird ihre Liebe seyn, daihre Freundschaft schon so zärtlich ist!
Oronte. Da war meine Freyerey also auch umsonst!
Dämon. Run, gestehen sie mir wenigstens, lieber Leander, daßes etwas schwerer sey, die Pflichten der Freundschaft auszuüben, alsvon ihr entzücket zn reden.
Aeander. Ja, Dämon, ich habe die Freundschaft oft genennt,aber sie heute erst von ihnen kennen lernen.
Die U?ittwe. Dämon! Dämon! ich befürchte, ich befürchte, ichwerde eifersüchtig werden. Keines Frauenzimmers wegen zwar nicht,aber doch gewiß Leanders wegen!
Lessings Werke n.
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