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der Geschichte, daß Friedrich durch diesen Eifer um das kleinereZiel einem größeren diente, das er noch nicht ins Auge fassenkonnte.
Das vergaß Arndt, aber gerade diese Einseitigkeit seines Urteilszeigt, daß ein höherer nationaler Standpunkt erreicht war, derFriedrichs Zeit noch fern lag, und zugleich, daß sich diese nationaleAuffassung mit der Forderung verband, Aufgabe und Wesen desStaates tiefer und sittlicher zu fasseu, die Unterthanen zn Bürgernzu erheben und die gesellschaftliche Ordnung von ihren schwerenGebrechen zu befreien.
Zugleich verbreitete sich auch unter den StaatsmännernPreußens , unter Beamten und Offizieren die Überzeugung, daßHeer und Verwaltung Prenßeus tiefgreifender Reformen bedürften.Die von Friedrich Wilhelm I. geschaffene Organisation der Central-und Provinzialbehörden war durch Friedrich den Großen nicht hin-reichend fortgebildet und zugleich durch manche Abänderungen des-organisiert worden. Die Kraft seiner Persönlichkeit ersetzte dieMängel, aber sie drückte die Menschen auch herab, zumal da es un-vermeidlich war, daß eine Regierung, die sich so sehr in das Ein-zelne einmischte, oft fehlgriff und Anordnungen traf, über derenSchädlichkeit die zur Ausführung gezwungenen Beamten nichtim Zweifel waren. So ist der rücksichtslose Druck, durch denFriedrich der Große die Finanzen und zugleich die Verwaltung derStadt Breslau gefährdete, eine Anklage gegen das ganze System,deren Wucht sich durch keine Beschönigung herabmindern läßt.
Beim Tode Friedrichs stand die Stadt vor dem Ruin undmußte durch ein unverzinsliches Darlehen Friedrich Wilhelms II. gestützt werden. Das Beispiel hat um so größeres Gewicht, wennman erwägt, daß Breslau die Hauptstadt des neugewonnenenSchlesien war, auf deren Lage und Wünsche Friedrich eher nochbesondere Rücksicht zu nehmen Veranlassung hatte. Aber der Könighielt dafür, daß er allein alles richtig beurteile, und hatte im all-gemeinen auch gute Gründe, sich nicht erweichen zu lassen durchKlagen und scheinbar triftige Vorstellungen. Er wnßte, wie oftein Herrscher betrogen wird, auch er konnte diesem Fluch des Ab-solutismus nicht entgehen.