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Einleitung,

Nicht Viel anders stand es im Heere. Das Charakteristische war,daß der Offizierstand den Kern bildete und das; der Adel des Landesals berechtigt und verpflichtet galt, seine Söhne im Heere als Offi-ziere dienen zu lassen. Oft traten sie schon als Knaben von vierzehnJahren und selbst noch jünger ein, um au Dienstalter zu gewinnen.Die Soldaten wurden etwa zur Hälfte durch Aushebung von Landes-kindern beschasst, und zwar vorwiegend aus den Bauern. Die so-genannten besseren Stände und viele Städte waren durch Privilegvon der Aushebung befreit. So grobe Ungerechtigkeit ist allezeit auchselbst eine Schädigung des Staates gewesen, der sie begeht, undeine Quelle sür zerstörende und lähmende Kräfte aller Art. Das hatsich auch hier offenbart. Die andere Hälfte der Mannschaft wurdedurch Werbung zusammengebracht, wobei vielerlei Gewaltsamkeitunterlief, und durch Aufnahme von Deserteuren und Kriegsgefangenen.Man Pflegt über das Unrecht, das dabei geschah, und über die brutaleRoheit, mit der die Unglücklichen mißhandelt wurden, die sich dieserGewalt zu entziehen suchten, mit kurzer Erwähnung hinwegzugehen,als fordere es die historische Objektivität, solche Schattenseiten audem gewaltigen Wirken des großen Königs gering zu achten. Abermag man auch das Mitleid mit den Opferu des Systems unter-drücken, die Mängel des Systems wird man sich doch in ihrer ganzenNacktheit vergegenwärtigen müssen. Im Frieden wurden die Landes-kinder meist nicht bei der Fahne gehalten, sondern nach der Aus-bildung zu ihren Geschäften entlassen; das Offizierkorps blieb da-gegen größtenteils beisammen und stellte auch nach dieser Seite deneigentlichen Trüger der Armee dar.

Friedrichs des Großen Heer hat die Welt mit Bewunderungerfüllt, aber der Ruhm konnte jene dunklen Punkte nur verhüllen,nicht beseitigen. Die unglaublich zahlreichen Desertionen und dierohe Behandlung der Soldaten, die dürftige Ausbildung der Offiziere,die Langsamkeit und Willkür ihrer Beförderung und andere Schädendrängten schon unter Friedrich Wilhelm II. zu mancherlei Anläufeneiner Reform, die aber zu keinem Ziele führten. In der Hauptsacheblieb es, wie es war, bis die Katastrophen von Jena, von Küstrin ,Magdeburg , Prenzlan das alte Heer vernichteten und eine Neu-bildung erleichterten.