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15. und 16. Jahrhundert hinein pflegten die Ritter nur ein verhältnis-mäßig kleines Gut selbst zu bewirtschaften; seitdem dehnten sie esaus, sie wnrden aus Rittern Landwirte und zwar eine bevorzugteKlasse, Rittergutsbesitzer. Sie zogen abhängige Bauernstellen ein,verdrängten auch unabhängige Bauern, und indem sie so ihr Gutvergrößerten, steigerten sie auch das Bedürfnis nach Hand- undSpanndiensten der Bauern. Da aber gleichzeitig die Zahl derBauern durch Einziehung der Bauernstellen sank, so mußten dieübrigbleibenden Bauern mit Diensten stärker belastet -werden. Esgeschah das vielfach durch Gewalt und durch Mißbrauch, der mit derZeit Brauch wurde, in den Dörfern und auf den Gütern der adligenFamilien wie in den Dörfern und auf den Gütern der Städteund'Stiftungen. Namentlich nach den Verwüstungen des dreißig-jährigen Krieges hatte der Adel vielfach Gelegenheit gefunden, seinenBesitz auszudehnen und die Reste der bäuerlichen Bevölkerung instärkere Abhängigkeit zu bringen, und auch im .18. Jahrhundertbenutzte der Adel seine sociale Übermacht und die mancherlei Be-fugnisse der öffentlichen Gewalt, die ihm aus der Zeit des ständi-schen Staates geblieben waren, vor allein der Polizei nnd derGerichtsbarkeit, um die Bauern ihrer Besitzungen zu berauben undsie zu weiteren, womöglich zu ungemessenen Diensten zu nötigen.Genug, wenn man den Schein wahrte und es verstand,dieBauern niemals anders als mit der strengsten Legalität zuplündern".

Diese Wendung des schuftigen Gerichtsverwalters in RabenersSatirischen Briefen ist dem Leben abgelauscht, ebenso wie der That-bestand in einem anderen Schreiben typisch ist, in dem ein Bauerwegen Ehebruchs in Untersuchung genommen worden ist, um ihnvon seinem Gute zu jagen.

Diesem Treiben trat in Preußen die BauernschutzgesetzgebungFriedrich Wilhelms I. und Friedrichs II. entgegen: aber einmalhatte sie doch nur teilweise Erfolg, und dann war ihr Ziel nichtder Schutz der einzelnen Bauern gegen Unrecht und Gewalt, son-dern nur oder doch zunächst nur die Erhaltung der vorhandenenZahl von bäuerlichen Stellen und Familien, namentlich um dasMaterial für die Rekrutierung nicht vermindern zu lassen. Aber die