Benedek bei Skalitz. Gitschin.
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Major Dorotka, der es zum zweiten Male zu empfehlen wagte,drohte er erschießen zu lassen.
Als Benedek nm Mittag des 28. Juni von Skalitz fortritt,da gab er nicht bloß den Sieg dieses Tages aus der Hand, ergab damit anch fast jede Hoffnung auf Sieg im ganzen Fcldzugpreis. Denn nun folgte Katastrophe auf Katastrophe. Am Abendkam die Nachricht, daß die bei Skalitz zurückgelassenen Truppen,die übrigens teilweise auch ihre Befehle überschritten hatten, weilsie ihre Kampflust nicht zügeln konnten, geschlagen waren, in derNacht die Kunde, daß auch Gab lenz geschlagen sei; und nnn machteKrismaniö das Unheil vollständig, indem er jede Offensive ausgabund den Rückzug aller Korps in die feste Stellung von Dubenetzbefahl. Dadurch gewährte er dem preußischen Kronprinzen die Frei-heit, sich mit der ersten Armee zu vereinigen, nnd verhängte überdie in Gitschin auf ihn wartende Armee des sächsischen Kronprinzeneine entscheidende Katastrophe. Der Befehl, Gitschin zu räumennnd an die Elbe nach Dubenetz zu marschieren, kam am 29. Junierst 71/2 Uhr abends in die Hand des Kronprinzen. Der Kampfstand günstig, aber der Versuch ihn abzubrechen verwandelte ihn ineine vollständige Niederlage. Die Verbündeten Sachsen und Öster-reicher verloren 5500 Mann, und das Korps Clam-Gallas löstesich auf dem Rückzüge, der in eine förmliche Flucht ausartete,völlig auf.
Diese Nachricht erschütterte Benedek so, daß er dem Kaisertelegraphisch empfahl, auf jede Bedingung hin Frieden zu schließen.Österreichs wackere Truppen hatten nicht bloß surchtbare Verlustean Mannschaften und Geschützen gehabt, sie hatten auch das Ver-trauen in die Leitung und damit den Glauben an den Sieg ver-loren. Waren doch die fortgesetzten Niederlagen vorzugsweise durchdie widersprechenden Befehle des Hauptquartiers herbeigeführt worden.Der Kaiser hielt sich tapfer bei den Schreckensnachrichten: erlehnte Friedensverhandlungen ab, stellte es Benedek anheim, ob ernoch eine Schlacht wagen oder sich weiter zurückziehen wolle, undentfernte auf Benedeks Wunsch den General Krismaniö von derLeitung des Gcneralstabs.
Kaum hatte sich Benedek von seinem Vertrauen auf den
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