596 Der Kampf zwischen Österreich und Preußen und die Begründung -c.

Heerverderber losgemacht, so fand er auch den Entschluß zur Ent-scheidungsschlacht. Er mußte sie jetzt gegen die vereinten Heereschlagen, deren Oberkommando König Wilhelm selbst übernahm,der am 30. Juni, begleitet von Bismarck, Roon und Moltke, Berlin verlassen hatte und am 2. Jnli sein Hauptquartier in das Schloßvon Gitschin verlegte. Benedek hatte bei Königgrätz über 215 000Manu vereinigt; die Preußen zählten 221000 Mann, aber siewaren durch die früheren Siege gehoben, die Österreicher dagegendurch die Niederlagen gedrückt. Benedek zeigte ruhigen Mut undrechnete ans die Festigkeit seiner Stellung und die vernichtendeWirkung seiner Artillerie. So entspann sich hier am 3. Juli frühder ungeheure Kampf, der bald nach Königgrätz , bald nach Sadowagenanut wird, und der nach langen Stunden zweifelhaften Ringensdurch die Erstürmung der Höhe von Chlum, des Mittelpunktes derösterreichischen Stellung, mit einer vollständigen Niederlage derÖsterreicher endete. Die Entscheidung kam dadurch, daß die Armeedes Kronprinzen, die nach weitem Marsche die rechte Flanke desFeindes fassen sollte, um Mittag noch rechtzeitig ankam, ehe dieAbteilungen der Ersten Armee erlahmten, die gegen die Front derösterreichischen Artillerie anstürmten. Sie erlitten hierbei so furchtbareVerluste, daß mancher die Schlacht für verloren hielt, und Benedekauch bereits den Plan erwog, durch einen Offensivstoß den Siegzu vollenden. Als aber die Garde die Höhe von Chlum von derunbehüteten östlichen Flanke her erstürmte und auch gegen einenverzweifelten Versuch der Österreicher, sie wiederzugewinnen, be-hauptete, da war die Schlacht entschieden.

Und nicht nur die Schlacht, sondern der Feldzug, der Kampfum die Vorherrschaft in Deutschland war entschieden. Das sprachMoltke aus auf dem Schlachtfelde, das fühlten Minister nnd Herrscher,in allen Staaten, und groß und klein fühlte es im deutschen Lande.Es erwachte jene lang entbehrte Kraft des Vertrauens, daß unsDeutschen doch noch ein Vaterland und eine Zeit gesunden politischenLebens beschieden sei. Aber es regte sich auch alles, was uns dieseErhebung nicht gönnte, vor allem die ultramontane Partei, die mitÖsterreich ihre festeste Stütze fallen sah.Die Welt bricht zusammen!"rief Kardinal Antonelli aus, der Leiter der päpstlichen Politik.