Aufsatz 
Carl Neumann
Seite
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Carl Neumann. 13

Es wurde schon erwähnt, daß Neumanns Habilitationsschrift (Nr. 2)eine Erklärung der magnetischen Drehung der Polarisationsebene des Lichtesversucht. Neumann hat dann im Jahre 1863 seine Untersuchung in einerkleinen Monographie weiter ausgeführt (Nr. 13). Die hier vorausgesetzteLichttheorie ist, wie nicht anders zu erwarten, die elastische Wellentheoriedes Äthers. Eine dem Weberschen Gesetz analoge Annahme über die Wirkungeines elektrischen Stromelements (der Magnet wird in bekannter Weisedurch Ströme ersetzt gedacht) auf ein Ätherteilchen führt durch einemathematische Entwicklung hindurch auf Gleichungen, von denen dieAiryschen empirischen Gleichungen einen Spezialfall darstellen. Es istnoch zu erwähnen, daß am Schluß der Schrift zahlenmäßige Vergleiche mit natürlich von anderen ausgeführten Beobachtungen angestellt werden.

Von sonstigen physikalischen Schriften, soweit sie nicht die Elektro-dynamik betreffen, die eine besondere Besprechung erheischt, möchte ichzunächst eine sehr frühe Arbeit nennen (1860, Nr. 4), welche von derTheorie der Elastizität, ausgehend vom Potentialbegriff, eine neue Begrün-dung geliefert hat. Eine andere Abhandlung ist physikalisch-mineralogischenInhalts (Nr. 10). Neumann zeigt hier, wie durch Winkelmessungen unddurch Messungen des Volumens die thermischen Achsen der Kristalle unddie thermischen Dilatationen in den Achsen ermittelt werden können.Eine dritte Abhandlung gehört wieder dem Gebiet der Optik an und ent-wickelt die Theorie der Doppelbrechung aus zwei Annahmen über die Ein-wirkung, der die Teilchen des Äthermediums in den Kristallen unter-worfen sein sollen (Nr. 40). Zwei weitere Schriften haben hauptsächlichdurch ihre Darstellungsweise einen bedeutenden pädagogischen Wert: Dieelegante und einfache Herleitung der Gaußschen Sätze über die Haupt- undBrennpunkte eines Linsensystems (Nr. 19), die insofern noch etwas ver-allgemeinert werden, als eine beliebige Folge optischer Medien angenommenwird, und dieVorlesungen über die mechanische Theorie der Wärme"(Nr. 65), die eine ausgezeichnete Zusammenfassung und Verarbeitung derOriginalarbeiten von Carnot, Clausius, Mayer, Thomson usw. darstellt undzugleich noch besonders auf den von Franz Neumann in Königsberg ge-haltenen Vorlesungen beruht.

Betrachten wir die bis jetzt besprochenen physikalischen Schriften,so ist ersichtlich, daß sich Neumann nicht nur mit der mathematischenDurchführung bestehender physikalischen Theorien abgegeben hat. Er hatauch selbständig nach Hypothesen gesucht, aus denen die Erscheinungenabgeleitet werden können, und die Folgerungen aus den Hypothesen mitexperimentellen Tatsachen verglichen. In einem Fall hat er auch aufGrund von experimentellen Untersuchungen seines Vaters gewisse Er-scheinungen der Metallreflexion und der totalen Reflexion auf geometrische