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0. Holder.
Regeln gebracht (Nr. 140); auch die Art, wie er aus den experimentellenErgebnissen von Thomsen in Kopenhagen die spezifische Energie M(k)einer Mischung von Wasser mit Schwefelsäurehydrat vom Wassergehalt kbestimmt hat, ist entschieden bemerkenswert (Nr. 32).
Unter den physikalischen Arbeiten Neumanns nehmen die elektro-dynamischen einen besonders großen Raum ein. Er hat sich frühzeitigmit diesem Gebiet beschäftigt und hat z. B. im Jahre 1876 betont (Nr. 71),daß er den kurz vorher von Kirchhoff veröffentlichten Satz, wonach dasGesetz des stationären elektrischen Strömungszustandes sich von einer ge-krümmten — leitenden — Fläche auf eine andere, ihr in den kleinstenTeilchen ähnliche ohne weiteres übertragen läßt, bereits im Jahre 1863entdeckt und in der Zwischenzeit auch in Seminarübungen vorgetragen habe.
Im Jahre 1868 hat Neumann in Tübingen in einer Gratulationsschriftzur 50 jährigen Jubelfeier der Universität Bonn eine neue elektrodynamischeTheorie entwickelt. Der Grundgedanke ist dabei der, daß für die Wirkungeiner elektrischen Masse auf eine andere ein Potential existieren müsse,das nicht allein von der relativen Lage, sondern auch von den Geschwindig-keiten der Massen abhängig, und daß das Hamiltonsche Prinzip auch aufsolche Potentiale anwendbar sei. Für das Potential soll die Formel
gelten, in der ra und m 1 die beiden Massen, r ihren Abstand zur Zeit tund c die im Weberschen Gesetz vorkommende Konstante bedeutet (Nr. 26,27, 29, 94).
Für die Formel (4) wird noch ein Unterbau gegeben, indem sie ausder Vorstellung abgeleitet wird, daß die eine Masse zur Zeit t 0 , zu welcherder Abstand der Massen gleich r„ ist, ein Potential —— emittiert, das
r .°. .
von der anderen Masse zu einer etwas späteren Zeit rezipiert wird, wobeic die Geschwindigkeit der „Transmission" bedeuten soll. Aus dieser Vor-stellung, bzw. aus der Formel (4), wird dann das Webersche Gesetz ge-folgert 9 ). Neumann hat nachher noch besonders darauf hingewiesen, daßdie Geschwindigkeit c nicht etwa die Lichtgeschwindigkeit ist (Nr. 38).Es ist hier die bemerkenswert neue 10 ) Vorstellung eingeführt, daß die Ein-
0 ) Meines Erachtens ist allerdings unter den jetzt gemachten Annahmen die Be-ziehung zwischen der Kraft, welche die elektrischen Massen aufeinander ausüben,und dem Potential nicht völlig festgelegt; es hat auch Neumann selbst in einerspäteren Veröffentlichung (Nr. 38) bemerkt, daß die Begründung der Formel (4)durch die eben erwähnten Vorstellungen als weniger sicher anzusehen sei als dieFormel (4) selbst.
10 ) Riemanns eben dahin zielende Vorstellung ist erst später durch HattendorfsVeröffentlichung bekannt geworden.