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0. Holder.
Prinzips der Gleichheit von Aktion und Reaktion und noch einer anderenHelmholtzschen Annahme das Nähere ermittelt.
Im weiteren Verlauf dieses Teils werden dann die neueren Arbeitenvon Helmholtz besprochen und das Helmholtzsche Minimalprinzip behandelt.Man sieht, daß auch der zweite Teil der „elektrischen Kräfte" im wesent-lichen noch auf der Vorstellung der Fernwirkung beruht. Die Tendenzseiner Arbeit hat Neumann am Schluß der Einleitung sehr bescheiden so'ausgedrückt: „Wie dem auch sei, — für den weiteren Fortschritt derWissenschaft dürfte es doch wohl nötig sein, von den bereits durch-schrittenen Wegen eine deutliche Ansschauung zu haben. Und das vorliegendeWerk dürfte vielleicht dazu beitragen, die Erlangung einer solchen deut-lichen Anschauung der bisherigen Wege ein wenig zu erleichtern." Hin-sichtlich des Weberschen Gesetzes hat Neumann in diesem Werke denStandpunkt eingenommen, daß es an und für sich ein unvollständiges sei,das zu seiner Ergänzung noch irgendwelcher akzessorischer Annahmen be-dürfe, z. B. einer Annahme über die Art und Weise, wie die auf die elek-trische Materie ausgeübten Kräfte auf die ponderable Materie sich über-tragen. Das Webersche Gesetz sei daher, eben infolge seiner Unvollständig-keit, ziemlich unangreifbar. Neumann spricht auch die Ansicht aus, daßdie durch das Webersche Gesetz dargebotenen Perspektiven früher oderspäter von neuem aufzunehmen und weiter zu verfolgen seien.
Im Jahre 1896 erschienen Neumanns Untersuchungen über das Prinzipder Fernwirkungen (Nr. 133), welche hierher gehören, da sie sich zwarnicht ausschließlich auf die elektrischen Wirkungen beziehen, jedoch aufdiese besondere Rücksicht nehmen. Der Grundgedanke ist der, daß Wir-kungen mathematisch diskutiert werden, die sich nach einem anderen Ge-setz als nach dem umgekehrten Quadrat der Entfernung bestimmen, wobeiaber im allgemeinen daran festgehalten wird, daß, falls es sich um Elek-trizität handelt, für ein beliebiges System von Konduktoren ein elektrischesGleichgewicht möglich ist. Neumann findet, daß die hiermit verträglichenGesetze in der Form
-ar p — ßr p-yt
<p(r) = A e — + jB i_ + C^+...
enthalten sind, wobei a,ß,y,... positive und die A, B, G, ... positiveoder negative Konstante, aber von einerlei Vorzeichen bedeuten. Neumannnennt dieses Gesetz das „Exponentialgesetz".
Während so Neumann in fast allen seinen physikalischen Arbeitenvom Fernwirkungsprinzip ausgegangen war und der Faraday-MaxwellschenTheorie des elektromagnetischen Feldes gegenüber sich ziemlich kritischverhalten hatte (vgl. z. B. Nr. 134, S. 612), fühlte er sich in höheren Jahrengedrungen, auch diese Theorie einer mathematischen Durcharbeitung zu