Aufsatz 
Abstrakter Aufbau der Idealtheorie in algebraischen Zahl- und Funktionenkörpern
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E. Noether.

Aus Voraussetzung IV Nichtauftreten von Nullteilern folgt, daßdie verschiedenen Potenzen eines von Null- und Einheitsideal verschiedenenIdeals alle verschieden sind, und daß der Quotientenkörper existiert.

Ist schließlich noch Axiom V der ganzen Abgeschlossenheit im Quo-tientenkörper erfüllt, so werden die Primärideale wegen IV eindeutigbestimmte Potenzen von Primidealen, womit der übliche Zerlegungssatzgewonnen ist (§ 8). Dieser letztere Nachweis beruht auf einer, im Falldes Zahlkörpers schon von Dedekind (3. Aufl., § 172) gezogenen Folgerungaus der ganzen Abgeschlossenheit : Man kann ein echt gebrochenes Elementso als Quotient ganzer darstellen, daß auch das Quadrat des Zählers nichtdurch den Nenner teilbar wird. An Stelle dieser Folgerung tritt in denspäteren Darstellungen auch als Folge der ganzen Abgeschlossenheitder viel weniger durchsichtige verallgemeinerte Gaußsche Satz oder ent-sprechende, etwas mehr aussagende Modulsätze; alles Sätze, die zur An-wendung Basiselemente voraussetzen, während hier mit den Idealen selbstgearbeitet wird.

In der Umkehrung (§9) ergeben sich die von Axiom V verschiedenenAxiome fast direkt; letzteres aus dem Nachweis, daß ein echt gebrochenesElement sich stets so darstellen läßt, daß keine Potenz des Zählers durchden Nenner teilbar wird, was also noch eine Verschärfung der ursprünglichaus V gezogenen Folgerung bedeutet. Dieser Nachweis gelingt aber erst,indem aus der Idealdarstellung die üblichen Schlüsse gezogen werden,Hauptidealdarstellung modulo einem festen Ideal und Theorie der ge-brochenen Ideale, also der Idealquotienten im Körper. Auch die Tatsache,daß aus der Darstellung durch Primidealpotenzen die ganze Abgeschlossen-heit folgt, war schon Dedekind bekannt, wie eine Bemerkung (3. Aufl.,§ 172, S. 522 unten) zeigt.

Die Axiome I bis V ergeben, daß die vier im allgemeinen getrenntenZerlegungen in kleinste paarweise teilerfremde Ideale, gegenseitig primeIdeale, größte Prinjärkomponenten und irreduzible Ideale zusammenfallen ;und umgekehrt ergibt sich aus diesem Zusammenfallen und den AxiomenI IV die ganze Abgeschlossenheit. Für Ringe mit Nullteilern folgtaus dem Erfülltsein der übrigen Axiome wobei V als ganze Ab-geschlossenheit im Quotientenring zu definieren ist nicht notwendigdas Zusammenfallen der Zerlegungen, wie das Beispiel des Restklassen-ringes nach gewissen Idealen einer endlichen Ordnung zeigt (§ 9).

In § 1 skizziere ich die Theorie der in bezug auf einen Ring ganzenGrößen, bis hin zu der Dedekindschen Folgerung aus der ganzen Ab-geschlossenheit. In § 2 zeige ich, wie die Kettensätze sich vom Ringübertragen auf Moduln aus Linearformen, mit diesem Ring als Koeffizienten-