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einer „Identitätsrelation" (die dem psychischen Phänomen der Wieder-erkennung entnommen ist und aussagt, daß die Weltpunkte zum selben„Etwas", z. B. zum „selben" wahrgenommenen Dinge gehören), anderer-seits eine Menge bestimmter Teilmengen mittels je einer „Koinzidenz-relation" (die aussagt, daß die zu einer Teilmenge gehörigen Weltpunktein physikalischem Sinne „zusammenfallen") herausgehoben werden. DieTeilmengen erster Art wollen wir vorläufig A -Mengen, diejenigen zweiterArt „Punktereignisse" oder „Weltknoten" nennen. Sodann soll eine be-stimmte A -Menge als „Ich-Menge" herausgegriffen und auf Grund derpsychisch gegebenen (Eigen-) „Zeitrelation" linear geordnet werden. Achtenwir auf die Tatsache, daß ein Individuum sein „Zeitgefühl" („Kopfuhr")auf die Welt überträgt, indem es ein beliebiges Punktereignis mit einemMoment seiner Lebenslinie (— eventuell nach „fiktiver" Verlängerung —)korrespondieren läßt, so läßt sich in einem System von Postulaten aus-drücken, daß jedes Punktereignis mittels „zur betrachteten Ich-Mengegehörigen Gleichzeitigkeitsrelationen" auf einen und nur einen Weltpunkteder Ich-Menge abgebildet wird, solchermaßen, daß jede A-Menge ebenfallsals eine linear geordnete Menge erscheint, die wir „Weltlinie" nennenwollen. Dabei wird gefordert, daß niemals eine geschlossene Kette von(von Weltknoten verbundenen) Weltlinien zyklisch geordnet sein soll. Be-quemlichkeitshalber nehmen wir weiter an, die in dieser Weise konstruierteMenge sei zu einem vier dimension alen Kontinuum ergänzt, in dem dieWeltlinien als stetige Kurven erscheinen, und das eineindeutig auf ein be-liebiges stetiges Koordinatensystem bezogen ist 18 ).
Jede Axiomatisierung der. Physik 17 ) läßt sich in der angedeutetenWeise lediglich auf die Fundamentalbegriffe „Element" (oder „Einheit"oder „Ding" usw.) und „Relation" zurückführen. Darin spricht sich dieschöne Bemerkung Henri Poincarés 18 ) aus, daß die Welt nur bis auf einetopologische Transformation definiert ist, das heißt: Es ist möglich, dasWeltgeschehen in solchen Worten wiederzugeben, daß eine topologische
16 ) Eine ähnliche Betrachtung wird in physikalischer Sprache von ProfessorH. A. Lorentz geführt in der Einleitung von: „De bepaling van het <¡r-veld in dealgemeene relativiteitstheorie met behulp van de wereldlijnen van lichtsignalen enstoffelijke punten, met eenige opmerkingen over de lengte van staven en den duurvan tijdsintervallen en over de theorieën van Weyl en Eddington", Verslagen derKoninklijke Akademie van Wetenschappen te Amsterdam 32 (1923), S. 383. Eineenglische Übersetzung wird nächstens in den Proceedings of the Koninklijke Akademievan Wetenschappen veröffentlicht werden.
17 ) Z. B. H. Reichenbach, „Axiomatik der relativistischen Raum-Zeit-Lehre".Braunschweig: Vieweg & Sohn 1924.
18 ) Vgl. z. B. „La Science et l'Hypothèse". Paris: Flammarion 1906, S. 84ff.Chap. 4 und „Science et Méthode", ibidem 1913, S. 101 ff. (Livre II, Chap. I, §1).