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D. van Dantzig.
der etwaigen Existenz eines zugehörigen Divergenz- bzw. Spannungsfeldesabgelesen werden können. Obwohl streng genommen eine ausgedehnte„gewöhnliche" Flüssigkeitsmasse letzten Endes auch mittels ihres Ge-schwindigkeitsfeldes — genauer: ihres' Mitführungsfeldes schwimmenderKörper — definiert ist, so bleibt dennoch die „Äthersubstanz" in anderemSinne hypothetisch als z. B. die Wassersubstanz, weil der Unterschiedsubstanzerfüllter und substanzleerer Raumteile bei einer Flüssigkeits-masse direkt der Anschauung entnommen werden kann, im Falle desÄthers aber durchaus keinen physikalischen Sinn besitzt. In diesem, aberauch nur in diesem Sinne kann der Begriff eines substantiellen Ätherseine hypothetische physikalische Realität erhalten.
Der klassischen Äthertheorie kann eben die Existenz des genanntenVektorfeldes nur nützen, falls die r a ß gleich Null sind. Selbst dann aberwäre das Vektorfeld nur noch definiert in der Umgebung der Erde; esließe sich noch in einer beliebigen Weise über den ganzen Raum aus-breiten; nur eine petitio principii könnte dazu führen, dieses Feld ledig-lich aus einer Relativbewegung der Erde mit Bezug auf die Weltmassenzu erklären. Wenn auch in experimenteller Hinsicht die prärelativistischeLage wieder eingetreten wäre, wo das „negative" Michelson-Resultat nochnicht seine erschütternde Wirkung ausgeübt hatte, so wäre dennoch dieklassische Äthervorstellung nicht mehr aufrechtzuerhalten, auf Grund derneugewonnenen Einsichten in die Grundlagen der Physik, die vor allemeine Verschärfung des Begriffes des physikalischen Definiertseins undeinen engeren Anschluß an das rein Empirische bedeuten.
§5.
Die physikalische Bedeutung der Riemannschen Metrik.
Wie wir oben sahen, lehrt uns der Miller-Effekt den Zusammenhangkennen zwischen den l iu und g ik . Weil der Lichtkegel sich nicht mitgenügender Genauigkeit direkt bestimmen läßt, sind wir gezwungen, dieg ik aus den Gravitationserscheinungen allein, ohne Zuhilfenahme der Licht-bahnen, zu bestimmen. Es sei zu diesem Zweck die Welt auf ein be-liebiges Gaußisches Koordinatensystem x°x 1 x"x s bezogen, in dem die(„möglichen" und „wirklichen") Führungslinien — d. h. die Weltliniensich kräftefrei bewegender materieller Punkte — empirisch bestimmt unddurch die Gleichungen
(7) «< ==£*(«, c 1 c a c 8 c i c s c e c 7 c 8 )
dargestellt sein mögen, wo t irgendein auf jeder Führungslinie zweimalstetig differenzierbarer Parameter ist, solchermaßen, daß für jeden Wert