Michelson-Versuch und Relativitätstheorie.
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ihrer Beschreibung zwei als voneinander unabhängig zu betrachtende Diffe-rentialformen brauchen, nämlich die entartete quadratische und dielineare. Es wäre weiter zu untersuchen, wie sich die Führungslinien ameinfachsten aus diesen beiden Tensoren erklären ließen und ob die e¿ viel-leicht gänzlich zu entbehren wären, wenn man die Identität der Führungs-linien mit den geodätischen Linien preisgeben und als ihre HamiltonscheFunktion nicht mehr dG, sondern irgendeine Funktion von dT betrachtenwürde. Außerdem würde man fragen können, ob die y ik irgendwie mitden l ilc zusammenhängen oder ob vielmehr zwei mehr oder weniger gleich-artige Zusammenhänge existieren: einerseits zwischen den y ik und e { undder Massenverteilung im Weltall, bzw. dem Begriff des starren Körpers,andererseits zwischen den l ik und cp i und den Strahlungserscheinungen imallgemeinen, bzw. dem elektromagnetischen Zustand. Vorläufig kommt manaber in dieser Hinsicht über Vermutungen nicht hinaus.
§ 8.
Der Miller-Effekt und die klassische Theorie.
Wir wollen jetzt noch einiges bemerken über einige Einwände, diegegen den Miller-Effekt hervorgehoben worden sind. Wir haben schon be-richtet, daß Silberstein die Gelegenheit sofort ergriffen hat, um die R.-T.à la lanterne zu verurteilen. Dagegen wendet Eddington 20 ) ein, daß diese„surprising hypothesis of ether-drift" schon im voraus von den täglichenastronomischen Wahrnehmungen zurückgewiesen wird, und zwar auf Grundder Tatsache, daß die „Äthergeschwindigkeit" mit der Höhe zunehmenwürde. Wenn ein Lichtstrahl eines Sternes auf dem Mount-Wilson vertikalwäre, so würde dieser auf Meeresniveau eine Neigung von 7" haben.„An error of the order 7", variable according to the time of day, wouldplay havoc with fundamental astronomy." Daß der Äther irrotationellverteilt sein muß, hat übrigens schon Stokes 1845 auf Grund der Aberra-tionserscheinungen bewiesen. Eddington schließt mit den bemerkenswertenWorten: „The Michelson-Morley experiment was originally performedbecause it was thought — mistakenly as we now realise — that it wouldmeasure absolute ether-drift. ... In the new application to differentialether-drift it is invading a field in which the facts have long been esta-blished by delicate observation, and it is difficult to regard it as a seriouscompetitor." Mit Bezug hierauf bemerkt Giovanni Giorgi 30 ), daß man auseiner Zunahme der Horizontalkomponente der Äthergeschwindigkeit mitder Höhe noch nicht auf ihre Rotationalität schließen darf, weil die Rota-
20 ) Nature 115 (6. Juni 1925), S. 870.30 ) Nature 116 (25. Juli 1925), S. 132.