Aufsatz 
Die Wiederholung des Michelson-Versuchs und die Relativitätstheorie
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278 D. van Dantzig.

tion dennoch Null sein kann, falls nur die partielle Ableitung der Vertikal-komponente in derBewegungsrichtung" genügend groß ist. Bs bleibendann nach Giorgi drei große Schwierigkeiten übrig: 1. Eine irrotationelleVerteilung des Vektors zu finden, die zahlenmäßig mit den Miller-Ergeb-nissen übereinstimmt; 2. zu erklären weshalb, wenn derGriff" (grip")auf den Äther nicht die Wirkung einer Adhäsion ist, die Horizontalkom-ponente auf Meeresniveau Null wird; 3. wird die Vertikalkomponenteirgendwo Null, so wird sie auf derselben Höhe, 100 km vom genanntenOrt entfernt, 500 km/sek betragen müssen! Dies müßte von grobenEffekten aufgezeigt werden können. Der Gesamteindruck Giorgis ist:In the present condition of things it will be advisable not to draw anyconclusion from Prof. Miller's experiment until results of further experi-ments are available and until, finally, we are able to examine whe-ther some unknown phenomenon has affected the results." Weiter hatW. F. G. Swann 31 ) aus der Lorentzschen Fassung der Stokes-PlanckschenÄthertheorie für die Geschwindigkeit V r bei einer Entfernung r vom Erd-mittelpunkte die Formel

Yr+Ii-VR hVr ~ R

hergeleitet. Hierin bedeutet R den Radius der Erde, also etwa 6400 km,und h die Differenz der Höhen zwischen Cleveland und dem Mount-Wilson(1,7 km), so daß diese Formel für eine Differenz der beiden Geschwindig-keiten von der Ordnung 10 km/sek offenbar auf einen Widerspruch führt 3 ' 2 ).

31 ) Nature 116 (28. November 1925), S. 785.

32 ) Nach Einreichung dieser Abhandlung bemerkte G. Joos [Phys. Zeitschr. 27(1926), S. 1 5] ebenfalls, daß die Relativbewegung des Sonnensystems gegen dieFixsterne, deren Geschwindigkeit etwa 20 km/sek beträgt, nioht imstande ist, die vonMiller beobachtete starke Zunahme des Effektes mit der Höhe zu erklären. Dazumüsse man schon die Bewegung des Milchstraßensystems gegen die entfernterenSpiralnebel, deren Geschwindigkeit nach Strömberg etwa 300 km/sek beträgt, in Be-tracht ziehen. In derselben Lieferung der Phys. Zeitschr. zeigt aber J. Weber, daßauoh dann die Beobachtungen den zu erwartenden Resultaten widersprechen. Übrigensmacht G. Joos a. a. O. S. 5 eine Bemerkung:Da ein einziger die fortschreitende Be-wegung der Erde anzeigender Versuch der R.-T. widersprechen kann, so sprechenzwar die anderen hier besprochenen Arbeiten gegen die Wahrscheinlichkeit des Miller-schen Befunds, sie können ihm aber, wenn seine Richtigkeit sichergestellt ist, niemalsaufwiegen", die etwas gefährlich ist, weil der Ausdruckder R.-T. widersprechen"manchmal in dem Sinne benutzt wird, daß die Rückkehr zu einer der Äthertheorienvon Stokes, Lorentz, Lodge, Silberstein, Lenard usw. die einzig übrigbleibende Lösungwäre. Hier kann aber nur gemeint sein, daß gewisse Änderungen in der R.-T. an-gebracht werden sollen, wie es z. B. der Verf. im Text gemacht hat, die aber das neuentstandene Weltbild nicht wesentlich ändern. Vgl. hierzu die in 2a ) zitierte Abhand-lung von N. v. Raschevsky:Versteht man unter Theorie die Gesamtheit aller ge-