Michelson-Versuch und Relativitätstheorie.
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nungen läßt sich immer in einem genügend komplizierten Naturgesetz( das auch über nicht oder noch nicht wahrgenommene Erscheinungen Aus-sagen macht) vollständig wiedergeben, ähnlich, wie man durch eine beliebigvorgegebene endliche Menge von Funktionswerten immer eine ganze ratio-nale Funktion legen kann. Und ebenso wie man eine gegebene Mengevon Funktionswerten von der endlichen Kardinalzahl N mittels einesPolynoms gegebenen (n- ten) Grades für N > n + 1 solchermaßen approxi-mieren kann, daß die Genauigkeit mit n steigt, so kann man auch einegegebene endliche Menge von Erscheinungen mittels einer Physik von be-liebig vorgegebener beschränkter Kompliziertheit mehr oder weniger genauapproximieren, wobei die Genauigkeit mit der Kompliziertheit der Physikwächst.
Dazu ist notwendig, daß die Menge der Erscheinungen „gegeben", d. hgenau aufgezählt ist. Dies wäre klar, wenn wir den Begriff „wahrge-nommene physikalische Erscheinungen" unzweideutig festlegen könnten.Dies ist aber keineswegs der Fall: er läßt sich nach Belieben mehr oderweniger weit ausdehnen. Es ist nicht üblich zu fordern, daß z. B. die„metapsychischen Phänomene" oder die „Experimente" irgendeines An-fängers in die Naturgesetze aufgenommen werden sollen obwohl diessehr wohl möglich wäre. "Über die Frage, ob die Gesetze den Mill er-Effekt mit einschließen sollen oder nicht, läßt sich aber noch streiten.So viel ist jedoch wohl sicher: in einer Physik, deren Kompliziertheitdadurch beschränkt ist, daß sie höchstens die beiden Fundamentaltensorenvon vier Dimensionen g ilc und y i enthalten soll, läßt sich der als positivangenommene Effekt wahrscheinlich nicht wiedergeben] erweitert man aberdie Anzahl der Grundtensoren, dann zeigt die vorliegende Überlegung, daßdie kompliziertere Physik auch dieser Erscheinung vollständig Rechnungzu tragen vermag.
(Eingegangen am 25. 1. 1926.)
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