Aufsatz 
Differentialinvarianten, ausgezeichnete Feldgrößen und Vektorübertragung
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F. Krauß. Differential invarianten und Vektorübertragung.

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aussetzung einer allgemeinen (linearen) Vektorübertragung 1 ). Sie stelltdabei den Begriff einer Zerlegung (inKern" undRest") in den Mittel-punkt, die an beliebigen Differentialausdrücken mit Hilfe gewisser ausge-zeichneter Feldgrößen (Fundamentalvarianten",charakteristischer Grund-varianten") vorgenommen wird. Diese Zerlegungsniethode läßt, wie mirscheint, den inneren Grund der Invarianz deutlicher hervortreten und führtrascher und einfacher zu den differentialgeometrischen Fundamentalformenund ihren Beziehungen als die bisher üblichen Darstellungen. Insbeson-dere erhalten wir auf einfache Weise die Erweiterung des sogenanntenReduktionssatzes, der bereits von Christoffel (Crelle 70) und Ricci undLevi-Civita (Mathem. Annalen 54) durch komplizierte Eliminationsrech-nungen für den Fall der gewöhnlichen Riemannschen Geometrie auf-gestellt, bisher aber noch nicht für eine beliebige Vektorübertragung ab-geleitet wurde 2 ). Ferner ein analoges Theorem für Differentialformen aufGebilden (Kurven, Flächen, Hyperflächen usw.) beliebiger Dimension.

Um die Begriffsbildung auch für das rechnerische Verfahren fruchtbarzu machen, schien eine Modifikation der gebräuchlichen Ricci-Bezeichnungnützlich, zu der ich mich erst nach längerem Widerstreben entschlossenhabe. Sie beruht in der Hauptsache auf dem naheliegenden Gedanken,die Indexzeichen unmittelbar als Zeichen für die Grundvektoren zu ver-wenden und die bei der gewählten Grundvektorbezeichnung frei werdendenoberen Indexstellen für die Ableitungszeiger zu benutzen. Überdies wer-den, wie in der elementaren Vektoranalysis, die drei direkt geschriebenenOperationen der Addition, Multiplikation und Überschiebung (von Ten-soren mit Vektoren) gebraucht. Ich glaube, daß diese auf den ersten Blickvielleicht ärgerlich erscheinende Neuwahl der Zeichen sich selbst recht-fertigen wird 3 ). Es versteht sich, daß der Schwerpunkt der Arbeitnicht in dieser Symbolik, sondern in den Grundbegriffen (Zerlegung mittelsder charakteristischen Grundvarianten usw.) zu suchen ist.

Alle Invarianten es handelt sich hier nur um absolute sindFunktionen gewisser nicht-invarianter (varianter") Elemente, deren Trans-formationsänderungen sich in jenen Funktionen dadurch kompensieren,daß zwischen ihnen ein Transformationszusammenhang vorgeschrieben ist.

*) Zur Orientierung s. z. B. Schouten, Der Ricci-Kalkül (Julius Springer, 1924),S. 62 ff.

s ) Schouten, a. a. 0. S. 101; Weitzenböck, Enzykl. d. math. Wissensch. III El,1922; E. Noether, Invarianten beliebiger Differentialausdrücke, Göttinger Nachr. 1918,Algebraisohe und Differentialinvarianten, Jahresbericht d. Deutschen Mathem.-Vereini-gung 32, 1. Abt. Heft 5/8, 1922.

3 ) s. u. S. 697 ff.