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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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71
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II. Die japanischen Finanzen vor dem Kriege. / >

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»valtigen wirtschaftliche!: Uniwälznngen, die sich in dem Reiche deraufgehenden Sonne während des letzten Jahrzehnts vollzogen haben,ist dieser Zusammenhang hier sogar von einer ganz besonderen Wich-tigkeit.

In viel höherem Maße als in Rußland sind in Japan dieVoraussetzungen für einen raschen Übergang znr Geldwirtschaft undfür die Entwicklung zum Industriestaat gegeben. Vor allem verfügtJapan über eine außerordentlich dichte, arbeitsame, genügsame nudanstellige Bevölkerung. Durchschnittlich kommen aus den Quadratkilometer 117 Einwohner gegen etwa 11V in Deutfchlnnd, 1l3 inItalien, 132 in Großbritannien und Irland, 72 in Frankreich und21 im europäischen Rußland. Dabei ist ein großer Teil Japans unbewohnbares und nntnltiviertes Land. Die nördlichste der japa-nischen Inseln, Jesso, die etwa ein Viertel der Gesamtoberfläche desjapanischen Reichs umfaßt, hat z. B. nur 9 Einwohner ans denQuadratkilometer, während in den übrigen Provinzen die Bevöl-t'ernngsdichtigkeit bis über 180 Einwohner anf den Quadratkilometersteigt. Die Wirkung dieser starke» Bevölt'ernngsdichtigkeit ist nicht»nr, daß für eine Industrie europäischen Stils eine genügende An-zahl von Arbeitskräften zur Verfügung steht, es kommt vielmehrnoch hinzn, daß Japan schon seit längerer Zeit den Nahrungsbedarfseiner rasch wachsenden Bevölkerung nicht mehr mit feiner eigenenlandwirtschaftlichen Produktion zu decken vermag. Nach der Roh-baumwolle sind Reis und Zucker die weitaus wichtigsten Posten inder Liste der japanischen Einfuhrwaren. Japan sieht sich also inderselben Weise wie die großen europäischenIndustriestaaten" dazugedräugt, Jndustrieprodukte zu erPortieren, um damit seine Einfuhran Nahrungsmitteln und Rohstoffen zn bezahlen.

Nimmt mau den Reichtum Japans au mineralischen Boden-schätzen, die Gunst seiner Lage und die planmäßige Förderung vonIndustrie und Verkehr durch die Regierung hiuzn, so erscheint eonatürlich, daß die Aneignung der europäischen Technik rasche mWgroße Erfolge hervorbrachte. Trotzdem bleiben die wirtschaftlichenFortschritte, die Japan im letzten Jahrzehnt gemacht hat, derart er-staunlich, daß sie nur aus dem plötzlichen Erwachen eines gewaltigenErpansionstriebes iu dem japanischen Volke sich erklären lassen.