lich flüssiger war als etwa in Deutschland! der englische und ameri-kanische Markt aber erschienen für Nußland aus politischen Gründenverschlossen, Frankreich hatte seit Monaten erhebliche Zuflüsse vouGold erhalten, einmal dadurch, daß die französischen Geldgeber all-mählich ihre in England seit dem südafrikanischen Kriege kurzfristigansgelieheuen Gelder, die sich zeitweise auf 40 Millionen Pfd. Sterl,belanfen haben sollen,*) zurückzogen, ferner infolge der Ablösnngs-zahlnngen der Bereinigten Staaten für den Panamakanal (etwa 299Millionen Frauken). Trotz des flüssigen Geldstaudes hat natürlichder Krieg und sein für Rußland uugüustiger Verlauf die Be-dingungen, unter denen der französische Markt bereit war, Rußland seine Mittel im Wege des Kredits zur Verfügung zn stellen, sehr er-heblich erschwert. Während sich der Kurs der russischen vierprozen-tigen Rente im letzten Jahre ungefähr auf der Parität gehalten hatteund noch im Juli 1903 in Paris 173 Millionen Franken russischervierprozentiger Eisenbahnobligationeu zn Pari aufgelegt wordenwaren, hatte sich der Kurs der vierprozentigen Rente unmittelbar bordem Kriegsansbruch bis auf 96 uud dann bis Ende April auf wenigüber 92 gesenkt. Die bloße Tatsache, daß Nußlaud mit eiuer nenengroßen Anleihe an den Markt herantrat, mußte deu Kurs der russi-schen Siaatspapiere noch weiter drücken. Diesen Verhältuisseu hatteRußland Rechnung zu tragen.
Die russische Fiuanzberwaltnng sträubte sich nicht, dem sran-zösischen Banttonsortinm, mit dem sie im April Verhandlungen überdie Aufnahme eiuer Auleihe einleitete, deu durch die Verhältuisse ge-botenen Zinssatz zu bewilligen nnd ihm außerdem die durch das mitder Begebung der Anleihe verbundene Risiko gerechtfertigten Vor-teile zuzugestehen. Ein solches Anpassen an die Verhältnisse desMarktes uud eiu weites Entgegenkommen gegenüber den für dieUnterbringung eiuer Auleihe uueutbehrlicheu Fiuanzinstitutionen ge-hört zu deu Traditionen der russischen Finanzpolitik, die es mit dieserPraxis verstanden hat, sich nm den Preis momentaner Opfer danernde Vorteile zn sichern. Das in der „Neuen Freien Presse " vom9. Mai 1994 wiedergegebene Urteil des Leiters eines Londoner Welt-hauses, die russische Regierung sei die einzige, die es verstehe, mitden Banken iu gauz großem Stil zu arbeiten, ist nicht vereinzelt.
Londoner ..l^eoiwini^t'' vom 14. Auonst Poriser »orlesvonden^