Wenn man von dem Rußland der letzten zwei Jahrzehnte sagen kann,daß vielleicht noch nie ein Staat mit so geringem privaten Wohlstandees zn einer solchen Höhe nnd Widerstandsfähigkeit seines öffentlichenKredits gebracht hat, so gilt siir Dentschland leider das Gegenteil.Es ist wohl einzig in der Geschichte, das; ein Staat bei einer solchenZunahme des privaten Wohlstandes uud bei einem solchen Aufschwungseiner Volkswirtschaft, wie ihn Deutschland in den letzten Jahrzehnte»zu verzeichnen hat, in seinen öffentlichen Finanzen derartig viel znwüuschen übrig läßt, wie heute das Deutsche Reich .
2. Die Rückwirkungen des Krieges auf den privatenKreditverkehr und die allgemeinen wirtschaftlichenVerhältnisse.
Die Kosten des Krieges sind nicht durch erhöhte Besteuerung usw.unmittelbar der russischen Volkswirtschaft auferlegt wordeu, fondernsie wurden so gut wie ausschließlich aus bereiten Beständen uud deu Erlösen von Anleihen bestritten. Als unmittelbare Belastung derrussischen Volkswirtschaft werden sich die Kriegskosten erst in den mitdem Friedensschluß beginnenden Jahren fühlbar macheu, iu denenes sich darum handelt, die dnrch den Krieg verschlungenen Snnuueudurch erhöhte Einnahmen nnd dnrch die strengste Sparsamkeit i» denAusgaben wieder einzubringen, in denen die während deS Kriegesaufgezehrten bereiten Bestände wieder aufgefüllt, die Zinsen undTilgnngsgnoten der Kriegsanleihen ans den ordentlichen Etat umgelegt und die gewaltigen für die Wiederherstellung der Kriegsbereit-schaft von Heer nnd Flotte benötigten Mittel beschafft werden müssen.Mit Recht hat man deshalb gesagt, daß die russischen Budgets dernächsten Jahre die Liquidation der Kriegskosteu bringen werden/")
Der russische Geld- und Kapitalmarkt.
Für die Frage, wie weit Nußland dieser schweren Aufgabe derLiauidatiou der Kriegskosten uud der erneuten Konsolidieruug seinerStaatsfinanzen gewachsen sein wird, ist es natürlich von Bedeutung,ob uud wie weit die wirtschaftlichen .Kräfte des Landes dnrch denKrieg selbst gelitten haben.
*) A. Raffalovich. „1.0 lllarvkö Hn-moier«, 19VS. T. Mi». V. Witt-schcwskl), „Die finanzielle jiriegsülinma !>!nszlandS" in der „^Zeitschrift siirZ^zialwissenschoft". 3. Heft.