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Das Geld im russisch-japanischen Kriege : Ein finanzpolit. Beitrag z. Zeitgeschichte von Karl Helfferich / [Helfferich, Karl]
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193
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l Rußland . 193

Der Wert der Getreideausfuhr im Jahre 1904 hat 495,3 MillionenRubel betragen gegen 477,6 und 432,1 Millionen Rubel iu den beidenVorjahren. Trotz dieser Steigerung war die Ausfuhrmenge etwas ge-ringer als im Jahre 1903 (648,0 Milliouen gegen 050,4 MillionenPud). Der Mehrertrag der Ernte ist also für den Kriegsbedarf unddie inländische Bevölkerung verfügbar geblieben. Allerdings sind dieVorteile der günstigen Ernte den russischen Produzenten und derrussischen Volkswirtschaft nicht ungeschmälert zngnte gekommen' dieFrachtstockungen auf den Eisenbahnen, welche in Rußland zur Ernte-zeit alljährlich einzutreten Pflegen, haben infolge der außerordentlichreichen Ernte in Verbindung mit der starken Inanspruchnahmeder Betriebsmittel fiir die Kriegstransporte einen ungewöhnlichgroßen Umfang angenommen. Der Finanzminister selbst beziffertden Umfang der liegen gebliebeneu Getreideseudungen auf mehr als100 000 Waggons, auf mehr als doppelt so viel wie in dem iu dieserBeziehung bisher ungünstigsten Jahre 1902.

Die Lage der Industrie, soweit sie nicht sür den staatliche» Be-darf arbeitet, hängt in Rußland , das keinerlei bedeutenden in-dustriellen Export hat, ganz unmittelbar von der Kaufkraft desinuereu Marktes ab. Daß diese trotz der günstigen Ernte infolgedes Krieges, namentlich infolge der Einberufung der Reservisten zurFahne, eine Beschränkung erfahren hat, daß außerdem auch der kauf-kräftig gebliebene Teil der Bevölkerung in Anbetracht der ungewöhn-lichen Zeitverhältnisse sich zurückhaltend zeigte und sich einzuschränkensuchte, kann keinem Zweifel unterliegen. Unter diesen Vcrhältuisseuhatte insbesondere die Industrie des Weichselgebietes, namentlich dieWeberei nnd Spinnerei des Bezirkes von Lodz und die Galanterie-warenindustrie von Warschau zu leiden. Ferner hat ans das Ban-gewerbe und die Fabrikation von Baumaterialien (Ziegeln, Zement)die durch den Krieg herbeigeführte Einschränkung der öffentlichenund privaten Bautätigkeit ungünstig eingewirkt. Auch ein Rückgangder Industrien der Nahruugsmittelbranche (Zucker-, Hefe- und Bier-produktiou) wird konstatiert. Auf der audereu Seite haben dieMontanindustrie, insbesondere die Eisen- nnd Kohlengewinnung,ferner die Holz uud Metalle verarbeitenden Industrien, die in großemUmfang für den Kriegsbedarf (an Waggons, Munition usw.) be-schäftigt waren, sowie die gleichfalls fiir den Kriegsbedarf arbeitende

Hclfferich, Das Gcld im russisch-jdpaiiischm Äncac ,!>