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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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Erstes Buch.

Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

für Kleiderstoffe, Salz oder Bernstein . Auch für den Kauf von Frauensind stellenweise nur ganz bestimmte Tauschmittel zulässig. 1 )

Die gegenseitigen Beziehungen der einzelnen Arten der Tausch-mittel sind hier also trotz der zwischen ihnen bestehenden herkömm-lichen Wertverhältnisse nicht auf eine lediglich quantitative Beziehungreduziert, es bestehen vielmehr zwischen ihnen noch gewisse qualitativeUnterschiede, die sie noch nicht in einem Geldsysteme untergehen lassen.Der jeder spezifischen Qualität entbehrende Geldcharakter ist bei diesemKreise von Tauschmitteln noch nicht ausgebildet.

Nicht als Geld angesehen werden dürfen bestimmte Güter, derenBesitz zwar Macht und Ansehen verleiht, die aber im allgemeinen nichtals Tauschmittel dienen, sondern sich oft geradezu durch ihre Unver-äußerlichkeit auszeichnen,die aber wegenihrerÄhnlichkeitmit bestimmtenFormen des Geldes mitunter gleichfalls als Geld angesehen worden sind.Hierher gehören z.B. diefeinen Matten" auf Samoa. Von diesen hatjede ihre mehr oder minder sagenhafte Geschichte, und nach der Be-deutung derselben richtet sich ihre Wertschätzung und das Ansehen,das ihr Besitz verleiht. Sie sind ein wertvolles Besitztum der samoa-nischen Familienverbände, aber sie fungieren nicht als Tauschmittel.Sie wurden vielmehr bei jeder neuen Königswahl unter bestimmten,meist zu blutigen Fehden führenden Zeremonien neu verteilt und bliebendann bis zur nächsten Königswahl im Besitz eines und desselben Familien-verbandes. Wie wenig sie als Geld, als Verkehrsinstrument in irgendwelchem Sinne aufgefaßt werden können, zeigt ein in den Akten desGouvernements von Samoa befindliches Schreiben deshohen Häuptlings"Mataafa, in welchem der Gouverneur gebeten wird, die Matten für un-pfändbar zu erklären, da sie heilig seien und für den Samoaner den-selben Wert hätten, wie Orden und Ehrentitel für die Deutschen.Auch das sogenannte Steingeld vonYap, das schon wegen seiner Schweredurchaus ungeeignet ist, Geldfunktionen zu verrichten, wechseltwenigstens in seinen größeren Stücken nur in den seltensten Fällenseinen Besitzer; die Bestimmung der größeren Stücke liegt offenbarweniger in der Verkehrsvermittlung als darin, daß ihr Besitz, ähnlich

großes Ansehen verleiht.

wie auf Samoa der Besitz von feinen Matten.

§ 4. Die Edelmetalle als allgemeines Tauschmittel.

Wie bereits erwähnt, finden sich unter den als Tauschmittel dienen-den Gütern fast überall frühzeitig Metelle, namentlich die EdelmetalleGold und Silber, neben ihnen vor allem Kupfer und Bronze, Eisen, viel-fach auch Zinn. Das Schmuckbedürfnis, dem hauptsächlich die Edel-metalle dienen, ist eben so früh und allgemein entwickelt, wie andrerseitsdas Bedürfnis nach Waffen und Werkzeugen, welchem die unedlen Metalle

1) Siehe Schwitz a. a. 0. S. 80: Simmf.c a. a 0. S. 270-.