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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § l.

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Stellung errangen und das Kecht der Münzprägung erhielten. Daswar besonders in Deutschland der Fall, wo gegen Ende des Mittel-alters etwa 600 Münzstätten bestanden. Ähnliche Zustände herrschteninfolge der politischen Zersplitterung in Italien, während Frankreich und namentlich England früher zu einer Zentralisation ibres Münz-wesens gelangten.

Charakteristisch dafür, wie wenig die Staatsgewalt inj Mittelalterund teilweise noch während der neueren Zeit die Gestaltung desMünzsystems in der Hand hatte und wie wenig sie ein geschlossenesMünzwesen zu schaifen und aufrecht zu erhalten vermochte, ist derUmstand, daß sich die Neubildungen im Geldwesen, namentlich dasAufkommen neuer Münzsorten und der Übergang vom vorwiegendenGebrauch des einen zu dem des andern Edelmetalls, unabhängig vonder Autorität der einzelnen Regierungen und zwar meist auf inter-nationalem Wege vollzogen.

Das trifft namentlich für die größeren Münzsorten zu, die ihrerNatur nach in ihrem Umlaufe und ihrer Wirksamkeit nicht in dem-selben Maße territorial beschränkt waren, wie das Kleingeld.

Im 10. Jahrhundert breitete sich beispielsweise der Bisant oderBesant, eine byzantinische Goldmünze, die auf den römischen Goldsoliduszurückzuführen ist, über ganz Europa aus bis nach England . Das vor-wiegende Umlaufsmittel blieb jedoch das Silbergeld, dessen Grundtypusder Denar war. Die fortgesetzte Verschlechterung dieses kleinen Silber-geldes führte allmählich dazu, daß zuerst die Prägung von Großmünzenin Silber aufkam, deren Verschlechterung wiederum dazu beigetragenhat, daß später die Kaufleute sich immer mehr des Goldgeldes bedienten.Italien hatte in jenen Jahrhunderten die Führung im europäischen Münz-wesen. In Florenz sind wahrscheinlich schon seit 1182 große Silberstückeim Wert von 12 Denaren geprägt worden, in Venedig von 1194 an 24-und 26-Denarstücke. Wahrscheinlich sind diese Stücke Nachahmungenorientalischer Silbermünzen gewesen. Wegen ihrer in der damaligenZeit für Europa ungewöhnlichen Größe erhielten sie den NamenGrossi" oderGrossoni" Sie tauchten dann in Frankreich auf alsgros tournois", in England alsgroats" und in Deutschland von etwa1300 an alsGroschen" oderDickpfennige".

Aber auch diese großen Silbermünzen unterlagen aller wärts starkenVerschlechterungen in Feingehalt und Gewicht, und zwar in deneinzelnen Ländern und den einzelnen Territorien desselben Landes inverschiedenem Maße. In Florenz ist der Grosso von 1252 bis 1347auf ein Drittel seines ursprünglichen Feingehaltes gesunken.

Diese Verschlechterung des Silbergroßgeldes war es, welche demAufkommen der Goldmünzen den Boden bereitete. Die ersten Gold-münzen jener Zeit erschienen unter dem NamenFlorenen"; sie wurden

V. J*.