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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 3.

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durch die verschlechterte Ausprägung, durch die natürliche Abnutzungund die betrügerische Verkürzung des Feingehaltes der Münzen einestarke Wertverringerung. Ferner entwickelte sich aus dem einzelnenEdelmetalle eine große Anzahl selbständiger Münzsorten, und dadurcherfuhr die Einfachheit und Einheitlichkeit des Geldwesens eine schwereBeeinträchtigung.

Diese Nachteile, die sich namentlich in Zeiten des Verfalls derStaatsgewalt empfindlich geltend machten, haben mitunter dazu ge-führt, daß der Großverkehr, welcher das gemünzte Geld am leichtestenentbehren kann, zur Benutzung des ungeprägten Edelmetalls alsZahlungsmittel zurückkehrte. Das war z. B. der Fall in der letztenZeit des römischen Kaiserreichs') und in norddeutschen Handelsstädtenwährend des 12. und 13. Jahrhunderts. Auch die großen Girobanken,die in Italien, Holland und Deutschland während des 1(3. und am An-fang des 17. Jahrhunderts gegründet wurden, hatten mehr oder wenigerausgesprochen den Zweck, die beiden Nachteile des gemünzten Geldeszu vermeiden. Schon der Banco del Giro in Venedig hatte seineeigne einheitliche und von den Verschlechterungen des umlaufendenGeldes unabhängige BankoWährung; ebenso die AmsterdamerWechselbank, welche nur gegen Einzahlung einer bestimmten voll-wichtigen Münzsorte Gutschrift auf Girokonto leistete. Bei der Ham-burger Girobank, welche den geschilderten Zweck am konse-quentesten verfolgt hat, war seit 1770 die Grundlage der Bankowährungüberhaupt kein geprägtes Münzstück mehr, sondern Feinsilber inBarren. Für die Kölnische Mark Feinsilber wurden 21^j\ Mark Bankogut geschrieben. Das Buchgeld, dessen sich der Hamburger Handelbis zum Jahre 1872 bediente, beruhte mithin auf ungeprägtem Silber.

Während es auf diese Weise den Großkaufleuten einzelner Handels-städte gelang, für ihre besonderen Zwecke ein von den Übel-Ständen des gemünzten Geldumlaufs freies Buchgeld zu schaffen, istes der Staatsgewalt erst nach Jahrhunderten fruchtloser Versuchegelungen, dem geprägten Geld wieder die Einheitlichkeit und relativeWertbeständigkeit der ungeprägten Edelmetalle zu geben.

Die Schwierigkeiten, welche zu überwinden waren, beruhten, wieaus den Darlegungen der letzten beiden Paragraphen hervorgeht,teilweise auf den Mängeln der Prägetechnik, teilweise auf absichtlichenMünzverschlechterungen, teilweise auf der Deteriorierung der Münzenim Umlauf; und dazu kam schließlich noch, was das gegenseitige Ver-hältnis von Silber- und Goldmünzen anlangt, die Veränderlichkeit desWertverhältnisses beider Edelmetalle, ein Faktor, der um so mehr

Ii Zur Zeit Konstantins wurde im großen Verkehr nicht mehr nach Münzein-heiten, sondern nach Gold- und Silberpfunden gerechnet; sogar die öffentlichen Kassennahmen die offiziellen Gold- und Silbermünzen nur nach dein Gewichte.

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