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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
52
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52 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

hervortreten mußte, je mehr es gelang, über die zuerst genanntenSchwierigkeiten Herr zu werden.

Es ist hier nicht der Platz für eine eingehende Schilderung derEntwicklung der Prägetechnik von den nur einseitig geprägten Blech-münzen des Mittelalters (Brakteatenj bis zu unseren modernen Münz-stücken, die vermittelst komplizierter und äußerst exakt arbeitenderMaschinen hergestellt und einem peinlich genauen Prüfungsverfahren(Justierung) unterworfen werden, ehe sie in Umlauf gelangen. Wieviel dadurch für ein geordnetes und einheitliches Münzwesen gewonnenwurde, leuchtet von selbst ein. Aber der technische Fortschritt, derdie Herstellung fast absolut gleichmäßiger Stücke ermöglichte, hat ineinem Punkte nur in geringem Umfange Wandel Schäften können, näm-lich hinsichtlich der Verschiedenheit der Prägekosten im Verhältnis zumWerte der großen und der kleinen Münzstücke.') Heute noch sind z. B. dieKosten der Prägung eines Zehnmarkstücks nicht geringer als diejenigeneines Zwanzigmarkstücks,, mit andern Worten: die Kosten der Ausprägungeiner bestimmten Summe in Zehnmarkstücken sind uugefähr doppeltso hoch, wie die Kosten der Ausprägung desselben Betrages in Zwanzig-markstücken. 2 ) Noch größer ist der Unterschied der Prägekosten,wenn Silber- oder gar Kupfermünzen den Goldmünzen gegenüber-gestellt werden.

Aus den relativ hohen Prägekosten der kleinen Münzen erklärensich zu einem guten Teil die ganz besonderen Schwierigkeiten derSchaffung und Erhaltung eines geordneten Umlaufs von Kleingeld. Diehöheren Prägekosten nötigten förmlich dazu, das Kleingeld unter demihm rechnungsmäßig zukommenden Metallgehalte auszuprägen: dennnur durch einen Abzug vom Metallgehalte konnte der Münzherrsich für die höheren Prägekosten schadlos halten, und die Auf-fassung, daß der Münzherr im Interesse einer geordneten Geldzirkulationeventuell auch Verluste übernehmen müsse, lag jener Zeit, welche dasMünzrecht als ein nutzbares Regal ansah, noch durchaus fern. Andrer-seits aber verstand man es damals noch nicht, das unterfertigausgeprägte Geld mit Kautelen zu unjgeben, die ihm einen den effek-tiven Metallgehalt überschreitenden Nennwert gesichert hätten. Meistwurde das kleinere Geld mit einem noch viel geringeren Feingehaltegeprägt, als den höheren Prägekosten entsprochen hätte, so daß fürdie Münzherren gerade aus der massenhaften Prägung kleinen Geldesdie größten Gewinne erwuchsen. In solchen Fällen trat aber bald

1) Insbesondere Schmoller a. n. 0. hat auf dieses Moment nachdrücklich hin-gewiesen.

2) Die vom Reiche den einzelstaatlichen Münzstätten zu gewährende Prägever-gütung beträgt pro Pfund Feingold bei den Doppelkronen 2,75 Mark, bei den Kronendagegen 6 Mark. Vgl. Kocn, Münzgesetzgebung, 5. Aufl., S. 53.