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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
62
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62 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

Wie m allen andern Ländern, wurde auch in England zunächstein festes Wertverhältnis zwischen Silber- und Goldmünzen im Wegeder staatlichen Tarifierung angestrebt. Tn der ersten Hälfte des17. Jahrhunderts bewirkten häufige Schwankungen der Wertrelationvon Gold und Silber, daß ungeachtet der durch Veränderungen desFeingehaltes der Münzen vorgenommenen Korrekturen Goldumlaufund Silberunilauf fortgesetzt miteinander abwechselten.

Die daraus entstehenden Unbequemlichkeiten führten schließlichdazu, daß man einen neuen Weg einschlug, um Gold- und Silber münzendauernd nebeneinander im Umlaufe zu erhalten. Das abwechselndeVerschwinden der Goldmünzen und der Silbermünzen hatte die dauerndeErhaltung des gleichzeitigen Umlaufs beider Münzsorten als ein be-sonders dringendes Bedürfnis erscheinen lassen, so daß man bereitwar, diesem Bedürfnis das feste Wertverhältnis von Gold und Silber,dessen Erstrebung die Schuld an dem Wechsel des Geldumlaufs trug,zum Opfer zu bringen. Man verzweifelte an der Möglichkeit, Gold-und Silbermünzen in eine feste Beziehung zu bringen und dabei demVerkehr einen genügenden Umlauf von beiden Münzsorten zu sichern.Als im Jahre 1663 eine neue Goldmünze, die Guinea, eingeführt wurde,verzichtete man im Gegensatz zur bisherigen Praxis darauf, diesereine feste Geltung gegenüber den Silbermünzen beizulegen; man über-ließ vielmehr die Bewertung der Guinea dem freien Verkehr und ge-stattete den Begierungskassen, die Guinea zum Tageskurse in Zahlungzu nehmen.

Dieses System, mit welchem England von 1663 an einen Versuchmachte, nennt man heute Parallelwährung, weil in ihm ein Systemvon Goldmünzen und ein System von Silbermünzen nebeneinander einher-gehen, ohne daß beide Systeme durch eine gesetzliche Tarifierung undgegenseitige Vertretbarkeit miteinander verbunden sind.

Aber auch dieses System befriedigte nicht. Es war für den Ver-kehr überaus lästig, mit zwei verschiedenen Geidarten, die in schwan-kendem Kursverhältnisse zueinander standen, rechnen zu müssen.Unter dem Druck dieser Unbequemlichkeit mußte der Versuch mit derParallelwährung, der nichts war als ein Verzicht auf ein einheitlichesGeldwesen, bald wieder aufgegeben werden.

Den ersten Anlaß zu einem neuen Eingriff der Regierung gab derUmstand, daß das englische Silbergeld infolge betrügerischer Verkür-zung seines Feingehaltes gegen Ende des 17. Jahrhunderts einengroßen Teil seines ursprünglichen Metallgehaltes verlor es wirdbehauptet bis zu 50 Prozent. und daß infolgedessen der Kurs derneuen und verhältnismäßig vollwichtigen Guinea, die anfangs als einStück im Werte von etwa 20 Schilling gedacht war, bis auf 30 Schil-ling und darüber stieg. Für die Regierung, welche eine Reform des