fallen, daß die Hauptsituation im „Hindernis" vonAlphonse Daudet einem von ihm verfaßten,1908 gedruckten Versdrama „Der Wahnsinnige"entlehnt sei und veröffentlichte diese Tatsache inden Zeitungen. „Es ist wahr, daß sowohl im „Wahn-sinnigen" wie im „Hindernis" eine Mutter auftritt,die ihre Ehre dem Glück ihrer Kinder opfert; die,Witwe eines Wahnsinnigen, einen erfundenen Fehl-tritt gesteht, um ihren Sohn von dem Druck derDrohung einer krankhaften Erblichkeit zu befreienund das Hindernis zu beseitigen, das den Sohn voneinem jungen Mädchen trennt, das er liebt. KeinZweifel über diesen Punkt. Aber die Forschungnach dem Plagiat führt immer weiter, als man glaubtund als man will. Diese Situation, für deren alleini-gen Eigentümer sich Maurice Montegut in gutemGlauben hielt, hat man in einer Novelle von Armandde Pontmartin wiedergefunden, deren Titel ichnicht kenne; in der „Verhängnisvollen Erbschaft"von Jules D o r n a y , im „Letzten Herzog von Hal-lali" von Xaver Montepin und in einem Romanvon Georges Prade 1."
Man braucht sich über das höchst eigenartigeZusammentreffen noch nicht zu verwundern. Eshandelt sich hier um die bekannte Duplicität derFälle, wie sie in der Weltliteratur zuweilen vor-kommt. So weist z. B. Ludwig Geiger ') u. a.auf die auffällige Aehnlichkeit von Adolf W i 1 -brandts „Natalie" und Paul Lindaus „Jo-hannestrieb" hin. Beide Bühnenstücke erschienenfast zur gleichen Zeit, und trotzdem lag kein Plagiatvor. A. Ludwig") erwähnt weiterhin, daß • einRoman der Engländerin Belloc Lowndes ausdem Jahre 1914 mit einer 1912 erschienenen NovelleAnselma Heines, ein Werk Conan Doyl e'smit einem solchen von J. H. R o s n y merkwürdigsich berühren. Er hätte noch darauf hinweisenkönnen, daß auch Gerhart Hauptmanns Ro-man „Phantom " mit Kurt Münzers gleich-namigen Roman Uebereinstimmungen aufweist.Und doch wird es niemandem einfallen, indiesen Fällen unzulässige bewußte Einwirkungenannehmen zu wollen. Gewisse Stoffe und Ideen
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