liegen eben in der Luft, sie warten auf diebildende Hand des Künstlers, und wenn sich bei derBearbeitung ab und zu dann seltsame Aehnlichkeitenaufzeigen lassen, so liegt dies vielfach und in ersterLinie in der Eigenart des Stoffes begründet.
Begibt man sich erst einmal auf die schlüpfrigeBahn der Plagiatriecherei, so bereitet es nicht geringeSchwierigkeiten, die richtigen Grenzen abzustecken,an denen sich originale Schöpfungen und Plagiat be-gegnen. Edgar Allan Poe hat Longfellowdes Plagiats bezichtigt 7 ) Klaus Groth sah sichgenötigt, energisch gegen derartige Bezichtigungensich zur Wehr zu setzen, 8 ) Friedrich Halm sollin seinem „Fechter von Ravenna " sich an fremdemEigentum vergriffen haben. 9 ) Conrad Ferd.Meyer formte bewußt fremde Stoffe um und ge-staltete sie neu, ohne die Quelle namhaft zu machen.In seiner Novelle „Gustav Adolfs Page " z. B. fußt erstark auf Heinrich Laube , der in der Ein-leitung zu seinem Drama „Monaldeschi" von seinemJugenddrama „Gustav Adolf" spricht. „Die Zu-sammenhänge zwischen dem unfertigen JugendwerkLaubes und der Meisternovelle Meyers sind ziem-lich eng. Nicht nur in der Einführung eines weib-lichen Pagen, der aus einem Nürnberger Patrizier-geschlecht stammt, stimmen sie überein, sondern auchin der Motivierung des Untergangs des Schweden-königs, der als Sühne für sein Begehren nach derdeutschen Königskrone aufgefaßt wird. Meyer fandauch bei Laube schon den Gegensatz zwischen demSchwedenkönig und dem Herzog von Lauenburg , derihn-nach einer Sage erschossen haben soll, sehr starkbetont." 1 ")
Heinrich Heine nahm ebenso unbedenk-lich die Stoffe, wo er sie fand. In dem tollen 13. Ka-pitel seines Buches „Le Grand" 11 ) schlachtete er,wie Erich Loewentha l 12 ) überzeugend nach-gewiesen hat, des Hanauer Rektors Johann AdamBernhard „Kurtzgefaßte Curieuse Historie dererGelehrten. Darinnen von der Geburt, Erziehung,Sitten, Fatis, Schriften usw. gelehrter Leute ge-handelt . . .", eine Ausgeburt wunderlichster Pe-danterie vom Jahre 1718 in 210 Kapiteln, ge-
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