bührend aus, wobei er nicht nur den Stoff übernahm,sondern sogar ganze Sätze und Satzstücke wörtlichentlehnte, die übrigen nur wenig umgestaltete.
Auch sonst ließe sich eine größere Blütenlesebewußter und unbewußter Entlehnungen Heines ausanderen Vorbildern feststellen, ohne daß man ver-pflichtet wäre, den Vorwurf des Plagiats gegen ihnzu erheben, selbst wenn er sich zu dem etwas be-fremdenden Ausspruch versteigt: „Ich werde syste-matisch auf den Gedankendiebstahl ausgehen", 1 ') dervielleicht nur als ein Musterbeispiel der ihm eigenen,vor ihm selber nicht halt machenden Ironie zu deutenist. An anderen Stellen jedoch hat er seinen dies-bezüglichen Standpunkt um vieles eindeutiger prä-
cisiert, wenn er schreibt: .....Nichts ist törichter,
als dieser Vorwurf des Plagiats, es gibt in der Kunstkein sechstes (? siebentes!) Gebot, der Dichter darfüberall zugreifen, wo er Material zu seinen Werkenfindet und selbst ganze Säulen mit ausgemeißeltenKapitälern darf er sich zueignen, wenn nur derTempel herrlich ist, den er damit stützt. Dieses hatGoethe sehr gut verstanden und vor ihm sogarShakespeare . Nichts ist törichter, als das Begehrnis,ein Dichter solle alle seine Stoffe aus sich selber her-ausschaffen: das sei Originalität." 1 ') Und diese Ab-lehnung des Plagiats will er sowohl für den Stoff wiefür die Form verstanden wissen. lr ') An andererStelle wiederum sagt er: „Nichts ist lächerlicher alsdas reklamierte Eigentumsrecht an Ideen". 1 ") Indiesem Punkte begegnet er sich mit Moliere, derbekannte: „Je prends mon bien oü je le trouve." 17 )Aus diesem weitherzigen Standpunkt heraus erklärtes sich wohl auch, daß Heine in dem Lied „SchöneWiege meiner Leiden" Schiller seine Reverenzerweist und in dem bekannten Gedicht:Hände küssen, Hüte rücken,Kniee beugen, Häupter bücken,Kind, das ist nur Gaukelei,Denn das Herz denkt nichts dabeiden alten Friedrich v. Logau ausschreibt,natürlich ohne ihn zu nennen. Oder hat etwa dieserbei dem Wechselbalg Heines nicht Gevatter ge-standen? Man vergleiche Logaus Verse:
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