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Plagiat! Plagiat! : eine Rundschau / von Paul Englisch
Entstehung
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Auslassungen erlaubt er sich überhaupt nicht,bis auf einen kleinen Absatz und eine ihmanscheinend überflüssig dünkende Schilderung,Auch mit eigenen Zusätzen ist Castelli sparsam, da-gegen übersetzt er zuweilen die Worte Grillparzersdurch Synonyma, wieZaghaftigkeit" stattFurcht-samkeit",Wachsfackeln" stattWachskerzen" usw.

Rücken wir einen Schritt weiter vor, so findenwir, daß von den Neueren Otto Erich Hart-leb e n den Stoff zu seiner prächtigen GeschichteVom gastfreien Pastor" nicht selbst erfunden hat,denn sie lag bereits in dreifacher Fassung vor. KarlHerloßsohn erzählt die Anekdote ziemlich hu-morlos inFahrten und Abenteuer des M. Gaude-lius Enzian, 27 ) woraus wiederum WillibaldAlexis im ersten Band seines RomansRuhe istdie erste Bürgerpflicht" schöpfte." 8 ) Ausführlichersteht dann die Anekdote inDie Geschichte derProstitution und der Verfall der Sitten in Berlin seitden letzten 50 Jahren etc.". 29 ) Hartleben will nun 30 )den Stoff aus HebbelsTagebüchern", die zuerst1885/86 erschienen, entnommen haben. Ich haltediese Angabe für unrichtig, denn Hartleben ,der ständiger Kunde bei denfliegenden Buch-händlern" war, mag auf deren Karren vieleher den Schmöker aus dem Verlage vonPrinz, worin der Stoff bereits in vorzüglicherAnordnung vorhanden ist, entdeckt und ge-lesen haben, als in den gewiß sehr interessanten,aber lange nicht so amüsanten Tagebüchern Hebbels ,wo überdies nur ein kurzer Hinweis enthalten ist.Wie dem auch sein mag, fest steht jedenfalls, daßHartleben sich eng, ja sogar sehr eng an bereits vor-handene Vorbilder anschloß. Wer lediglich auf dasStoffliche aus ist und von der die Originalität ersteigentlich offenbarenden Bearbeitung abstrahiert,mag hier immerhin von Plagiat sprechen.

Um Einseitigkeit zu vermeiden und nicht denVerdacht aufkommen zu lassen, als ob nur deutscheAutoren in der Frage des geistigen Eigentums etwaszu weitherzigen Anschauungen huldigten, seien nocheinige ausländische Schriftsteller und Dichter nam-haft gemacht, die man des Plagiats beschuldigte.

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