zugreifen. . . Wo aber Einschaltungen in dunkleBriefstellen Freys den Sinn zu fassen suchen, daübernimmt auch Ludwig dieses geistige Eigentumeines anderen, der nie im ganzen Buch erwähntwird. „Habe die Frey-heit", sagt Emil Ludwig undstilisiert weiter die fremde Arbeit." Brinckmannkommt zu dem Ergebnis, daß die Arbeit Frey'sdurch Ludwig „ausgiebig verwendet ist, aber ineiner Art, die nach jeder Richtung peinlich, ja be-schämend wirkt." Frey's Ausgabe ist das Ergebniseines 25 jährigen Spezialstudiums. Die Früchteseiner Arbeit aber erntete nicht er.
Wurden die Verstöße Wassermanns und Lud-wigs von einer ihm geneigten Presse mit zu großerMilde totgeschwiegen, so machte sie dafür einenanderen, Bert Brecht , literarisch tot. AlfredK e r r brachte den Stein ins Rollen. 39 ) Bert Brecht hatte nämlich in seiner erfolgreichen „Dreigroschen-oper" einige „Songs" eingeflochten („nach Villon ",bei Gustav Kiepenheuer in Potsdam in Buchformveröffentlicht), die sich aber nachträglich als Ver-deutschungen K. L. Amme r's J0 ) herausstellten.Nach den von Kerr gebrachten vier Proben kannman freilich, wie im „Faust nur sagen: „Er ist ge-richtet!", ohne daß ein Engelchor „Er ist gerettet!"zu erwidern wagen dürfte. Immerhin wirkt derSpott, den der „Ulk" 41 ) Brecht nachzusenden sichbemüßigt fühlte, einigermaßen peinlich, denn dieGerechtigkeit würde es erfordern, auch dem unbe-strittenen Talent des einmal Gestrauchelten An-erkennung zu zollen.
Auffällig ist nur, daß im Scheinwerferlicht derOeffentlichkeit stehende, bereits arrivierte Schrift-steller ihre Anleihen bei weniger vom Glück be-günstigten Kollegen machen. Hier mag wohl die Er-wartung mitbestimmend sein, daß die Zwangs-anleihen nicht so leicht festgestellt werden können,wenn nicht der enteignete Autor selbst Lärmschlägt, und welcher Dichter liest schon Werkeseiner Zunftgenossen!
Der umgekehrte Fall, daß namenlose Tages-schriftsteller an die Rockschöße anerkannter Größen
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