3. Kapitel. Edclmetallpruduktiou und Weitverhältnis. § 3.
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gelangt; der Bergbau am Rande ist in seinem großen Umfange erstdadurch lohnend geworden, daß die Verbesserungen des technischenVerfahrens die Ausbeutung von Quarz ermöglichen, der pro Tonnenur wenige Gramm Gold enthält.
Die neueste und glänzendste Epoche der Goldgewinnung unter-scheidet sich mithin dadurch von allen früheren, daß sie nicht aufder Entdeckung neuer, leicht auszubeutender Goldfelder in Schwemm-landen beruht, sondern auf dem Fortschritte der metallurgischenMethoden. Während in den früheren Perioden einer ungewöhnlichstarken Goldproduktion weitaus der größte Teil des neuen Goldes ausSchwemmlanden gewonnen wurde — so war es im Altertum, so wares zur Zeit der spanischen Eroberungen in Amerika und später in derZeit der brasilianischen und kalifornisch-australischen Goldfelder —,stammt heute der beträchtlich überwiegende Teil der Goldförderungaus dem Gangbergbau. Die goldhaltigen Schwemmlande sind fast inallen wichtigen Produktionsländern — die bedeutsamste Ausnahme istSibirien — abgebaut; so namentlich in Kalifornien und Australien ,den Ländern der ehemals reichsten Alluvien. In Kalifornien undden übrigen goldproduzierenden Staaten der Union liegt heute derSchwerpunkt der Goldgewinnung im Quarzbergbau, das gleiche giltvon Australien . In Südafrika kam von Anfang an fast nur Quarzgoldin Betracht. Auch in Sibirien stammt das Gold nicht aus oberflächlichenAblagerungen, sondern aus sogenannten Diluvialschichten, die 20 undmehr Fuß unter der Erde liegen; ebenso verhält es sich in Australien ,soweit Schwemmlande neben dem Quarzbergbau in Betracht kommen.
Nach einer Denkschrift, die der Geheime Oberbergrat Dr. Hauche-coene im Jahre 1894 für die deutsche Silberkommission ausgearbeitethat, kamen damals schon von der gesamten Goldproduktion etwa 70 Pro-zent aus regelrechtem Bergwerksbetrieb und nur 30 Prozent aus derGoldwäscherei, während 1 \fa Jahrzehnte vorher der Bergbau gegenüberder Wäscherei noch eine ganz untergeordnete Bolle gespielt hat. Das Ver-hältnis hat sich inzwischen noch weiter zugunsten des Bergbaus verschoben.
Diese Wandlung ist deshalb von ganz besonderer Wichtigkeit,weil der Gangbergbau eine weit größere Nachhaltigkeit der Goldge-winnung gewährleistet als die Ausbeutung oberflächlicher Goldablage-rungen. Während auch die reichsten Goldfelder infolge der Leichtig-keit der Goldgewinnung stets in kurzer Zeit erschöpft werden, kannder Abbau im Bergwerksbetriebe nur allmählich vor sich gehen. Dazukommt, daß die neueren Erfahrungen gezeigt haben, daß die früherhäufig vertretene Annahme, daß die Gänge in der Tiefe verarmen,keineswegs allgemein zutrifft, daß vielmehr der Abbau nach der Tiefebei den wichtigsten Goldbergwerken so weit lohnend bleibt, als sichdie Gänge überhaupt erstrecken.