4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauche der Edelmetalle. §1. 127
Bemerkenswert ist, daß die englische Doppelwährung nicht dieWirkung hatte, den gegenseitigen Marktwert der Edelmetalle in Über-einstimmung zu setzen mit der gesetzlichen Relation. Vielmehr ent-fernte sich das Wertverhältnis der beiden Metalle auf dem Markte inden auf die formelle Einführung der Doppelwährung folgenden Jahr-zehnten immer weiter von dem gesetzlichen Wertverhältnisse. Der vonSoetbeee für das Jahrzehnt 1711 bis 1720 berechnete Durchschnittvon 1 : 15,15 kam der gesetzlichen Relation der englischen Doppel-währung 1 : 15,2 sehr nahe; aber späterhin veränderte sich die Markt-relation bis auf 1 : 14,56 im Durchschnitt des Jahrzehnts 1751 bis 1760.England Latte eben in jener Zeit kein Silber abzugeben; es hatte nureinen spärlichen und abgenutzten Silberumlauf. Infolgedessen ver-mochte es der relativen Wertsteigerung des Silbers nur insoweit ent-gegenzuwirken, als es einen großen Teil des neuproduzierten Goldesbereitwillig aufnahm und dadurch den Einfluß der Steigerung derGoldproduktion auf den relativen Goldwert einigermaßen paralysierte.Der gewaltige Aufschwung der englischen Volkswirtschaft währenddes 18. Jahrhunderts machte eine starke Vermehrung der Geldzirku-lation überhaupt und — bei der Größe der Umsätze — speziell des Geld-umlaufs dringend wünschenswert.
Auch auf die monetären Verhältnisse der übrigen Länder scheintdie vermehrte Goldgewinnung um die Mitte des 18. Jahrhunderts einengewissen Einfluß ausgeübt zu haben. Eine Zunahme der Goldzirkulationscheint damals fast überall eingetreten zu sein, namentlich in denwirtschaftlich am meisten entwickelten Ländern, wie in Frankreich .
Während jedoch in diesen Ländern der mit dem letzten Dritteldes 18. Jahrhunderts einsetzende neuerliche Umschwung in den Pro-duktionsverhältnissen der Edelmetalle wieder zu einem fast ausschließ-lichen Silberumlaufe zurückführte, hat England den einmal gewonnenenGoldumlauf auch gegenüber den Wandlungen in der Produktion und imWertverhältnisse der Edelmetalle sich dauernd zu sichern verstanden,und zwar durch Maßnahmen, die auf die Einführung der Goldwährunghinausliefen, und die bereits in dem Kapitel über die Entstehung derGoldwährung genauer dargestellt sind. Die rasche Abnahme der Gold-produktion nach der Erschöpfung der brasilianischen Goldfelder führtein Verbindung mit der fortgesetzt steigenden Silbergewinnung vonneuem zu einer Verschiebung des Wertverhält nisses zu Ungunsten desSilbers. In der zweiten Hälfte der 90 er Jahre kam die Marktrelationauf einem Punkte an, der die Ausprägung von Silber auf der Lon-doner Münzstätte und das Einschmelzen der englischen Goldmünzenlohnend erscheinen ließ. Da aber die Ersetzung des vorhandenenGoldumlaufs durch einen vorwiegenden Silberumlauf in England derRegierung und dem Parlamente nicht wünschenswert erschien, wurde